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Tote Wölfe : Trophäensammler am Werk

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tote Wölfe ohne Kopf: Sie stehen unter Artenschutz, trotzdem werden immer wieder Tiere erschossen

Bestialischer Akt und schwierige Spurenlage: In Südbrandenburg wurden im vergangenen Jahr zwei erschossene Wölfe ohne Kopf entdeckt. Das Landeskriminalamt nahm die Ermittlungen auf, denn der Wolf steht unter Artenschutz. Aber die Spurenlage erwies sich als schwierig: In einem Fall schloss die Staatsanwaltschaft Cottbus wieder die Akten, weil der Täter nicht ermittelt werden konnte. Wer steckt dahinter?

Im Sommer 2014 gab es den ersten Fund bei Lieberose (Dahme-Spreewald) an einer Bundesstraße. Im Dezember nochmals im Elbe-Elster-Kreis an der Grenze zu Sachsen. Zunächst prüfte das Landeskriminalamt einen Zusammenhang, der mittlerweile aber so gut wie ausgeschlossen wird. «Wir gehen von zwei Einzeltätern aus», sagt der Kommissariatsleiter für schwere Umweltkriminalität, Harry Jäkel. Er sieht als mögliches Motiv eine Trophäensammlung. Es könne auch sein, dass der Täter Spuren verwischen wollte.

Im Fall bei Lieberose gibt es noch Hoffnung, den Schützen zu finden. Die Ermittler bitten um Hinweise aus der Bevölkerung. Neben dem geköpften Wolf lag eine Tasse. Die Polizei will herausfinden, wie lange sie schon dort war. Möglicherweise kann geklärt werden, ob solche Tassen in der umliegenden Gastronomie eingesetzt werden.

Für Ermittler bedeutet jeder erschossene Wolf eine schwierige Spurenlage. Das liegt laut Jäkel daran, dass die Tiere in Waldgebieten entdeckt werden. Das heißt, es gibt so gut wie keine Zeugen. «Dann kommen Aasfresser, die Spuren kaputt machen.»

Nicht immer ist eindeutig, ob ein Schütze hinter einem Wolfstod steckt. Das zeigte sich in Siegadel (Dahme-Spreewald). Ein Jagdpächter hatte beim Pilzsuchen einen toten Wolf entdeckt - ein Projektil soll in der Schulter gesteckt haben. Bei der Untersuchung erwies sich nach Angaben des Umweltministeriums das vermeintliche Einschussloch als Bisswunde.

In Brandenburg gibt es 24 Territorien, die von Einzeltieren oder Rudeln bewohnt werden, wie der Wolfsexperte beim Landesumweltamt, Steffen Butzeck, erzählt. Einige gehen nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern über. Brandenburg und Sachsen sind die Länder mit dem größten Wolfsvorkommen in Deutschland. Vor allem in der Lausitz ist das Tier beheimatet. Anfang des 20. Jahrhunderts war der Wolf in Deutschland ausgerottet.

Butzeck geht davon aus, dass nicht jeder erschossene Wolf auch gefunden wird. Es könne durchaus sein, dass tote Tiere vergraben würden.

Dass ein Täter ermittelt wird, kommt selten vor. 2013 gab es in Koblenz in Rheinland-Pfalz ein Verfahren gegen einen Jäger, weil er einen Wolf im Westerwald erschossen hatte. Der Mann gab an, das Tier für einen wildernden Hund gehalten zu haben. Der Prozess wurde gegen Auflagen eingestellt. Der Wolf, bei dem es sich um den ersten im Bundesland seit 120 Jahren gehandelt haben soll, kam als Präparat in ein Museum.

Der Landesjagdverband Brandenburg setzt sich für mehr Akzeptanz des Wolfes in ländlichen Gebieten ein. „Wir wollen Jäger zu Wolfskundigen ausbilden», sagt Verbandspräsident Wolfgang Bethe. Dadurch könne leichter festgestellt werden, ob etwa getötete Schafe von Wölfen oder von anderen Tieren gerissen wurden.

Zugleich gebe es bei einigen Brandenburger Jägern noch die Befürchtung, dass sie bei der Jagd durch den Wolf benachteiligt werden könnten, wenn er Wildtiere angreife. Bethe zufolge bestätigte sich das in der Vergangenheit in Gebieten, in denen der Wolf beheimatet ist, aber nicht in diesem Maße.

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