Leichtgläubigkeit : Trickbetrüger mit neuen Maschen

 Betrügern keine Chance geben:  „Bleiben Sie bestimmt in Ihrem Auftreten“, rät die Polizei.
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Betrügern keine Chance geben: „Bleiben Sie bestimmt in Ihrem Auftreten“, rät die Polizei.

Sie ergaunern Millionen von Euro und machen sich die Altersdemenz zunutze: Der Enkeltrick, mit dem auch in Brandenburg Senioren um ihr Erspartes gebracht werden, setzt auf die Leichtgläubigkeit der Opfer.

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26. März 2014, 15:32 Uhr

Sie ergaunern Millionen von Euro und machen sich die Altersdemenz zunutze: Der Enkeltrick, mit dem auch in Brandenburg Senioren um ihr Erspartes gebracht werden, setzt auf die Leichtgläubigkeit der Opfer.

Es ist der 23. August 2013, als bei der hochbetagten Seniorin Maria K.* aus Fürstenwalde das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist eine Frauenstimme, die der damals 92-Jährigen vorgaukelt, ihre Verwandte zu sein und dringend Geld zu benötigen. Mit Erfolg. Die Seniorin will helfen, macht sich, gestützt auf ihren Gehstock, auf den Weg zur Sparkasse, wo die Bankangestellte angesichts der großen Summe und des hohen Alters der Kundin skeptisch wird. „Sie holte ihren Chef“, erzählt Detlef Scholz, der in der Polizeiinspektion Oder-Spree für Prävention zuständig ist. Doch auch der Chef kann die alte Dame nicht davon abbringen, das Geld für die Enkelin in Not abzuheben.

Als sie dem Sparkassenmitarbeiter gar mit dem Stock droht, gibt der sich geschlagen, zahlt die gewünschte Summe aus, die die Betrogene an eine angeblich von der Enkelin beauftragte Bekannte übergibt. Am Ende ist die 92-Jährige um 30 000 Euro ärmer – und auf den Klassiker des seit Jahren bundesweit kursierenden Enkeltricks hereingefallen.

Die Masche ist immer wieder die gleiche, und Telefonanrufe beginnen nicht selten mit den Worten „Rate mal, wer hier ist?“ oder dem unverbindlichen „Wie geht’s Dir?“, auf die die Opfer meist nach kurzem Nachdenken mit einem konkreten Namen antworten: „Ralf, bist Du es?“ Bingo – der Köder ist geschluckt. Dem folgt mit verstellter Stimme eine oft abenteuerliche Geschichte vom kaputten Auto, einem Unfall mit Krankenhaus-Aufenthalt, der dringend bezahlt werden muss, und weil der vermeintliche Enkel oder Neffe ja stationär behandelt wird, holt ein guter Freund das geforderte Geld ab.

„Bei den Summen gehen die Täter recht hoch ran“, sagt Scholz. Wie erst vor wenigen Tagen in Bielefeld: 40 000 Euro will sich der angebliche Neffe bei einer 71-Jährigen leihen, um davon eine Wohnung zu kaufen. Da die geprellte „Tante“ so viel nicht hat, gibt sich der Täter auch mit 20 000 zufrieden. Kurz darauf lässt sich eine junge Frau das Bargeld aushändigen – mit den besten Grüßen vom falschen Neffen.

Die Geschichten ähneln und häufen sich. Zwischen Juni und August 2013, sagt Scholz, durchforsteten die Täter Frankfurter Telefonbücher nach alten Vornamen – und klingelten mit unterdrückter Rufnummer an. Statistisch gesehen ist einer von zehn Versuchen ein Treffer ins Schwarze. „Viele Betroffene wenden sich aus Scham nicht an die Polizei“, weiß Detlef Scholz. Auch die Seniorin aus Fürstenwalde meldet sich erst drei Tage nach dem Vorfall auf der Wache.

Immer wieder sensibilisieren Polizei und Seniorenverbände die potenziellen Opfer: Sie sollen den Anrufer nach Details zur Familien fragen und auf keinen Fall Angaben zum Vermögen machen. Schon gar nicht Geld an eine unbekannte Person übergeben. Doch allen Warnungen zum Trotz tappen die Opfer immer wieder in die Falle – auch weil die Tricks der falschen Enkel immer perfider werden: Sie geben sich sogar als Polizisten aus, kündigen den Anruf eines Enkeltrickbetrügers an und behaupten, das
Haus umstellt zu haben, um ihn samt Beute auf frischer Tat zu stellen. (*Name geändert)

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