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Einsatzübung : Training mit gezogener Waffe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit vielen Jahren gehe das Training hin zur offensiven Waffenhaltung. Seit Jahresbeginn gibt es laut Crüger für alle vier Weiterbildungszentren in Brandenburg verbindliche Trainingsstandards für einen solchen Umgang mit der Waffe. Verlässliche Erfahrungswerte gibt es nicht.

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2014 | 08:03 Uhr

Ein Mann geht mit einer Axt auf zwei Polizisten zu. Die beiden ziehen ihre Pistole. „Stopp Polizei.“ Keine Reaktion. Der Polizist legt nach: „Axt fallen lassen, oder ich schieße.“ Die Axt wandert zum Boden. Plötzlich entspannt sich alles - die drei nehmen ihre Vermummung vom Kopf und gehen gemeinsam in die Mittagspause.

Diese künstliche Situation ist Teil eines Polizeitrainings in einer Raumschießanlage in Cottbus. Gezogene Waffen werden in Brandenburg immer häufiger im Training einbezogen, wie der Leiter des Weiterbildungszentrums Süd, Markus Crüger, sagt.

„Ziel ist es aber, nicht schießen zu müssen“. Die Waffe als Deeskalationsmittel? Die sichtbar getragene Waffe soll dazu beitragen, dass Täter oder Angreifer schneller aufgeben. „Wir zeigen die letzte Konsequenz auf und schrecken so ab“, sagt der Polizeihauptkommissar.

Zudem müssten Polizisten in Gefahrensituationen schnell reagieren. „Wenn sie die Waffe erst aus dem Holster ziehen und sie in Position bringen müssen, kann es schon zu spät sein.“ Seit vielen Jahren gehe das Training hin zur offensiven Waffenhaltung, wie es im Fachjargon heißt. Seit Jahresbeginn gibt es laut Crüger für alle vier Weiterbildungszentren in Brandenburg verbindliche Trainingsstandards für einen solchen Umgang mit der Waffe. Verlässliche Erfahrungswerte gebe es noch nicht.

Allerdings ließen die Berichte einzelner Beamter darauf schließen, dass die Taktik erfolgversprechend ist. Als ein Grund für das Zücken der Waffe nennt Crüger die steigende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten. Laut der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik gab es in Brandenburg im vergangenen Jahr 1121 Straftaten gegenüber Polizisten. 2012 seien es noch 1065 gewesen. Zugleich gibt es immer wieder heftige Kritik gegen das Vorgehen von Beamten. Im Internet kursieren immer neue Videos, die tretende und schlagende Beamte bei Einsätzen zeigen.

Bedauerlicherweise würden in Videos nicht alle Sequenzen gezeigt - etwa, wie Polizisten im Vorfeld angegriffen werden, hält Crüger dagegen. Laut Innenministerium wurden im vergangenen Jahr 93 Verfahren gegen Polizeibeamte wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet.

Im Weiterbildungszentrum Süd mit den Standorten Cottbus, Königs Wusterhausen und Finsterwalde werden pro Tag bis zu 50 Polizisten trainiert. Viermal im Jahr gebe es eine solche Übung für einen Polizisten, hieß es.

Holger Kienberg ist einer der Trainer. Er selbst habe eine Situation wie die mit der Axt noch nicht erlebt, aber eine mit Pfefferspray vor drei Jahren. „In einer Wohnung lärmte ein Mann rum und wollte nicht mehr aufhören“, beschreibt der 51-Jährige. Als er das Pfefferspray deutlich gezeigt habe, habe der Mann sofort aufgegeben. „Ich glaube, dass das offensive Zeigen geholfen hat.“

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