Unglaubliche Geschichte : Tränenreiches Wiedersehen

Christian im Glück: Der zwölfjährige Junge aus Germendorf (Oberhavel) hält seinen Hund Penny im Arm.   Fotos: Burkhard Keeve
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Christian im Glück: Der zwölfjährige Junge aus Germendorf (Oberhavel) hält seinen Hund Penny im Arm. Fotos: Burkhard Keeve

Auf dem Rückweg aus dem Urlaub wird einer Familie aus Oberhavel das Auto in Tschechien gestohlen. In dem Wagen ist nicht nur das Gepäck, sondern auch der zwei Jahre alte Hund Penny, der Liebling der Familie Eichholz aus Germendorf. Wie der Hund zurück zur Familie kam, erzählt die folgende Geschichte.

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05. August 2015, 21:00 Uhr

Es ist der 23. Juli, als Irena Eichholz und ihr Mann Dieter ihre Koffer in den VW-Bus Marke T5 packen. Mit dem zwölfjährigen Sohn Christian geht es zu einer Hochzeit nach Slowenien. Anschließend will die Familie aus Oberhavel auf einem Zeltplatz campen. Mit dabei ist die zwei Jahre alte Penny – ein reinrassiger Shih Tzu.

Die Hündin ist der Liebling von Vater und Sohn. Wenn das wuschelige Tier nicht mit Sohn Christian herumtollt, liegt es am liebsten wie ein Baby auf dem rechten Arm von Dieter Eichholz und lässt sich herumtragen. „Wir haben Penny ins Herz geschlossen“, sagt der Familienvater, noch sichtlich berührt von den Ereignissen der vergangenen Tage.

Nach der Hochzeitsfeier geht es gut gelaunt über Tschechien zurück nach Deutschland. In Liberec unweit der tschechisch-deutschen Grenze wollen sich die Urlauber vor der Weiterfahrt kurz die Füße vertreten. Sohn Christian ist müde, will eigentlich im Auto bleiben. Doch mit der Aussicht auf sein tschechisches Lieblingsgebäck Rohliky – ein Hörnchen aus Hefeteig – wird er aus dem Fahrzeug gelockt.

Als die Familie kurze Zeit später zurück zum Parkplatz kommt, fährt ihnen der Schreck durch alle Glieder. Der VW-Bus ist verschwunden. „Zuerst dachte ich: Scheiße, der Wagen ist weg. Dann: der Hund! O Gott, was machen die jetzt mit dem?“, erklärt Dieter Eichholz seine ersten Gedanken. Noch vor Ort wird die Polizei alarmiert.

Weil Irena Eichholz gebürtige Tschechin ist, hat die Familie keine Probleme mit der Sprache. Die Beamten prüfen Überwachungskameras eines Kaufhauses. Darauf ist deutlich zu erkennen, wie der große schwarze VW vom Parkplatz gefahren wird. Die Täter sind nicht zu erkennen. Auf der Videoaufzeichnung der Verkehrsüberwachung ist zu sehen, dass die Täter Richtung Polen unterwegs sind – mit Penny.

Die Stimmung der Familie ist am Boden. Christian weint. Auch Vater Dieter kommen die Tränen. „Das Auto war uns völlig egal, das sehen wir sowieso nicht wieder“, sagte Irena Eichholz. „Aber Penny!“ Die Polizei nimmt sich Zeit und fährt mit der Familie durch bekannte Straßen und Ecken in Liberec, in denen sich Autoschlepper gerne bewegen, doch von Penny fehlt jede Spur – vom Auto sowieso.

Zu Hause in Germendorf übernimmt die große Tochter Nadja die Suche nach Penny über das Internet. Der Hund hat einen Chip im Ohr, mit dem er identifiziert werden kann. Seine Daten sind auf der Plattform tasso.net gespeichert. Der Verein hilft bei der Suche und Rückvermittlung vermisster Haustiere.

In der Nacht zum Sonntag treffen die Urlauber in Germendorf ein. Am nächsten Tag geht es zur Polizei nach Oranienburg (Oberhavel). Sie wollen Anzeige erstatten. Auf der Wache stürmt plötzlich Sohn Christian herein. „Penny ist gefunden! Penny ist gefunden!“, ruft er. Über tasso.net war die Nachricht zur Familie gelangt. Wieder rollen die Tränen. Dieses Mal vor Glück.

Vermutet wird, dass die Autodiebe den Hund rund 40 bis 50 Kilometer von Liberec entfernt ausgesetzt haben. Penny wird von Passanten gefunden und ins Tierheim gebracht. Dort wird schnell erkannt, dass der Hund jemandem gehören muss. Als die Mitarbeiter den Chip auslesen und auf tasso.net die Daten eingeben, bestätigt sich der Verdacht. Inzwischen hat sich das tschechische Fernsehen bei der Familie gemeldet. Irena und Dieter Eichholz sind zu dieser Zeit längst auf dem Weg nach Tschechien. Penny wartet im Tierheim auf sie.

Das Wiedersehen ist tränenreich. Das Fernsehteam filmt die Szene. Zu hören sind „Penny!“-Rufe, dann flitzt die Kleine wie verrückt zum Zaun, macht sich flach, kraucht drunter durch und springt um ihr Herrchen herum. Am Abend läuft der Beitrag im Fernsehen. Es geht um das gestohlene Auto, den Hund und die glückliche Familie. Zwei Millionen Fernsehzuschauer haben die Geschichte gesehen. Auch über Facebook verbreitet sich Pennys Schicksal und das große Weinen rasant.

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