Eine Schule steht unter Schock : Tränen im Schulhaus

„Wir vermissen dich.“ Mitschüler drücken mit Kerzen und kleinen Botschaften ihre Trauer um die Zwölfjährige aus.
„Wir vermissen dich.“ Mitschüler drücken mit Kerzen und kleinen Botschaften ihre Trauer um die Zwölfjährige aus.

Die ganze Schulgemeinschaft trauert.

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10. März 2015, 10:00 Uhr

Eine Schule steht unter Schock. Die Nachricht vom tragischen Tod einer Mitschülerin sorgte gestern Morgen für Fassungslosigkeit. Die ganze Schulgemeinschaft trauert. Notfallseelsorger, Schulpsychologe und Vertrauenslehrer versuchen, den Schülern Halt und Trost zu geben.

„Wir vermissen dich!“„Ich liebe dich und hoffe, dir geht es gut, wo du jetzt bist.“ Diese Worte haben Freundinnen auf Kerzen geschrieben. Blumen mit schwarzen Bändern, ein gebasteltes Papierbäumchen, Briefchen und viele Kerzen stehen auf einem kleinen Tisch im Foyer des Einstein-Gymnasiums. Dort, wo sonst lautes Lachen, angeregte Gespräche und Geschäftigkeit herrschen, ist es ungewohnt still. Mitschüler haben spontan eine Ecke des Gedenkens eingerichtet, um an Claudi zu erinnern. Ihr Platz in der Schule bleibt leer. Das zwölfjährige Mädchen der 7. Klasse ist tot. Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen von einem Suizid aus. Ein stilles Mädchen sei sie gewesen, freundlich, zurückhaltend. Nichts habe auf so ein Drama hingedeutet.


Normaler Unterricht ist nicht möglich


Schulleiterin Kerstin Hainich-Doepner erfuhr die Schreckensnachricht morgens durch einen Anruf der Polizei. „Es riss mir fast den Boden unter den Füßen weg! Ich bin ja selbst Mutter und zutiefst geschockt. Es ist das Schlimmste, was passieren kann. Mein ganzes Mitgefühl gilt den Eltern“, sagt die sonst so taffe Direktorin mit stockender Stimme und Tränen in den Augen.

Nichts ist an diesem Montag wie immer. Kerstin Hainich- Doepner hat sofort die Notfallseelsorge, den Schulpsychologen und die Lehrer der Schule informiert. „Man ist auf so eine extreme Ausnahmesituation nicht vorbereitet. Aber ich dachte zuerst, ich muss mich um die Kinder kümmern, die uns anvertraut sind. Der Notfallseelsorger war unverzüglich zur Stelle. Auch unser Religionslehrer Wolfgang Rall, der besonderes Vertrauen zu den Schülern genießt, sagte unverzüglich seinen Unterricht in einer anderen Schule ab, um zu uns zu kommen. Wir hatten dankenswerterweise viel Unterstützung“, berichtet Kerstin Hainich-Doepner.

Normaler Unterricht ist an diesem Vormittag nicht möglich. Die Eltern der Mitschüler aus der betroffenen Klasse werden informiert. Mittags dürfen die Kinder auf Wunsch eher nach Hause.

„Es geht uns allen so nah, viele weinen. Wir werden der Trauer Raum geben und vor allem viel mit den Schülern sprechen“, sagt die Direktorin. Am Nachmittag gibt es ein Gesprächsangebot für Lehrer. Alle sind von den Umständen der Tragödie tief betroffen. „Wir wollen gemeinsam beraten, wie wir in der Situation richtig reagieren, wo wir eventuell Hilfe brauchen, wie es gelingt, das Geschehen gemeinsam zu verarbeiten und dennoch Unterricht zu machen. Es ist morgen ja nicht abgeschlossen. Der Platz in der Klasse ist leer“, sagt Hainich-Doepner und betont: „Wir wollen auch die Familie unterstützen, wenn sie uns braucht.“

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