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Niere entfernt und Bauchspeicheldrüse verletzt : Tote Patientin – 55 000 Euro Strafe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eine Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt (Oder) hat jetzt in erster Instanz einen Urologen zur Zahlung von 55 000 Euro Schadenersatz verurteilt. Dem 76-Jährigen war 2009 ein schwerer Kunstfehler unterlaufen, was zum Tod einer Patientin führte.

Eine Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt (Oder) hat jetzt in erster Instanz einen Urologen zur Zahlung von 55 000 Euro Schadenersatz verurteilt. Dem 76-Jährigen war 2009 ein schwerer Kunstfehler unterlaufen, was zum Tod einer Patientin führte.

Nachdem der Arzt Ende 2012 für seine Vergehen bereits strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde, geht es im jetzigen Verfahren um die Höhe des Schmerzensgeldes. Die Familie der gestorbenen Frau fordert 80 000 Euro, der Arzt hingegen hält sich für unschuldig und will nichts zahlen.

Richter Stephan Berndt hatte in einer Verhandlung Ende Mai darauf hingewiesen, dass sich laut Gesetz die Höhe des Schmerzensgeldes daran orientiere, wie lange die Frau gelitten hat. Zwar habe sie Todesängste und Not-Operationen ausstehen müssen, aber da sie vier Wochen nach dem verhängnisvollen Eingriff durch den Urologen starb, könne das Schmerzensgeld nicht höher ausfallen als jene 55 000 Euro. Gegen das Urteil ist Berufung vor dem Oberlandesgericht möglich.

Das vom Bundesgerichtshof bestätigte Urteil im Strafprozess beträgt zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge in einem minderschweren Fall. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Frankfurter Arzt ohne medizinischen Grund und ohne Einwilligung der Patientin bei einer Routine-OP deren linke Niere entfernt hat.

Den Eingriff habe er zudem „ohne qualifizierte Assistenz“ vorgenommen, heißt es im Urteil. Schließlich habe der Urologe bei der Operation auch die Bauchspeicheldrüse der Frau verletzt, was laut Urteil ursächlich für ihren Tod war.

Das Besondere an dem Fall ist, dass der Urologe Anfang dieses Jahres wegen eines weiteren schweren Kunstfehlers verurteilt wurde und nach Angaben einer Praxisassistentin vom April dennoch weiter praktiziert. In dem zweiten Fall ist der Mann vom Landgericht Frankfurt zivilrechtlich zur Zahlung von 40 000 Euro verurteilt worden, weil er nach Ansicht des Gerichts im Sommer 2007 bei einer Patientin eine schwere Darmerkrankung nicht erkannt und die Frau stattdessen auf die Diagnose Inkontinenz behandelt hatte. Mehrere Operationen waren nötig, um das Leben der Frau zu retten. Sie trug aber bleibende Schäden davon. Der Urologe weist die Vorwürfe zurück und hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Die Patientin hatte in dieser Zeitung kritisiert, dass der Arzt trotz seines hohen Alters und seiner Fehlurteile weiter praktizieren darf. „Das muss doch zumindest mal jemand überprüfen, um möglichen Schaden von anderen Patienten abzuwenden“, argumentierte die Frau.

Das zuständige Landesgesundheitsamt hatte in einer Stellungnahme lediglich darauf verwiesen, dass in der Abwägung zwischen Patientenschutz und Berufsfreiheit stets die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden müsse.

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