Pastlingsee verliert wasser : Tote Fische und viel Schlamm

dpa_148df6003e2068d3
1 von 2

Der Pastlingsee in Südbrandenburg ist längst kein Badeparadies mehr: Seit Jahren verliert er Wasser.

svz.de von
28. Juli 2015, 08:00 Uhr

Ein Mann steht Dutzende Meter vom Pastlingsee in Südbrandenburg entfernt und blickt auf das Wasser. Er ist nicht zum Angeln gekommen. „Bis hierher reichte das Wasser in den 1980er Jahren“, sagt er gestern mit erregter Stimme und zeigt auf den Boden. Mit den Jahren wurde der See immer kleiner. Die vergangenen Wochen waren verheerend – viele Fische starben als die große Hitze kam. Sie lagen zuhauf am Ufer. Knapp eine Tonne Fisch, schätzt der örtliche Anglerverband. Es gibt Befürchtungen, dass andere Seen in der Region einmal das gleiche Schicksal ereilen wird.

Warum hat der Pastlingsee soviel Wasser verloren? Die Kommune, Anwohner und Grünen-Politiker nennen mehrere Gründe. Es regnete in den vergangenen Jahren weniger. Rund um den Badesee wurden Bäume und Schilf gepflanzt, die viel Wasser benötigen. Und dann ist da noch die Braunkohleförderung in der Nähe. Selbst das Landesumweltamt geht davon aus, dass sie etwas mit dem Wasserverlust zu tun hat. „Welchen Anteil der Bergbau hat, ist derzeit aber unklar“, sagt Behördensprecher Thomas Frey.

Hintergrund ist die Grundwasserabsenkung, die in einem Tagebau notwendig ist. In der Nähe des Pastlingsees im deutsch-polnischen Grenzgebiet liegen die Vattenfall-Grube Jänschwalde und das dazugehörige Braunkohle-Kraftwerk.

Vattenfall weist einen Zusammenhang zwischen einer Grundwasserabsenkung und dem Wasserverlust zurück und verweist auf klimabedingte Veränderungen. Zugleich nimmt der schwedische Staatskonzern Geld in die Hand, damit dem See in Kürze Wasser zugeleitet werden kann. Bis zum Herbst könnten die Voraussetzungen geschaffen werden, das Projekt ist auf etwa ein Jahr angelegt. Der Pastlingsee liegt in einem Naturschutzgebiet.

Viele, die gestern zu einem Vorort-Termin der Grünen-Fraktion an den See gekommen sind, kennen ihn aus ihrer Kindheit. Ein älterer Herr sagt: „Hier habe ich Schwimmen gelernt.“ Und schiebt betreten hinterher: „Ich hätte hier gerne auch mit meinen Enkeln gebadet.“ Aber das ist nicht mehr absehbar. Schlamm tritt an vielen Stellen des Sees bis an die Oberfläche. Angler berichten, dass man schon nach wenigen Metern bis zum Hals im Schlamm stecke. Einer sagt: „Für uns ist der See tot. Fische: fast gleich null.“ Auf einem Plastiksteg ist ein Schild angebracht. Darauf steht: „Achtung Gefahrenbereich!“ Der Landkreis sperrte das Gebiet unlängst für den Wassersport.

Viele Anwohner fordern jetzt eine nachhaltige Lösung für die Region. „Es muss ein Notfallplan her“, sagt ein Mann. Die Grünen-Fraktion will, dass Landesbehörden über die Auswirkungen von Grundwasserabsenkungen im Tagebau besser informieren und Berichte öffentlich machen. Der Pastlingsee soll nicht zum Vorbote werden, bringt es eine Anwohnerin auf den Punkt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen