Täter stellt sich wenig später der Polizei : Tödliche Schüsse im Mercedes

Spurensicherung: Der Mercedes, in dem der 46-jährige Berliner hinter dem Steuer saß, kam erst kurz vor einem Zaun zum Stehen. Zwei Schüsse treffen den Mann tödlich.
Spurensicherung: Der Mercedes, in dem der 46-jährige Berliner hinter dem Steuer saß, kam erst kurz vor einem Zaun zum Stehen. Zwei Schüsse treffen den Mann tödlich.

Während Kriminalisten in der Dimitroffstraße den Tatort ausleuchten, auf Spurensuche gehen und in unmittelbarer Nähe eine Waffe finden, betritt kurze Zeit später ein 37-Jähriger die Polizeiwache an der Pankstraße in Berlin-Gesundbrunnen und gibt an, der Täter zu sein.

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31. März 2015, 08:00 Uhr

Sonntagabend ist „Tatort“-Zeit. Kommissar Borowski (Axel Milberg) steht im Ersten kurz davor, den Mord an einem Kinderschänder aus Kiel aufzuklären, da peitschen in der Dimitroffstraße/Ecke Bahnstraße im Wandlitzer Ortsteil Basdorf Schüsse durch die Nacht. „Unsere Tochter hat zwei Mal einen dumpfen Knall gehört, mehr nicht“, sagt Frank Schöning, der nah am Tatort wohnt.

Als die Nachbarn aus dem Fenster schauen, sehen sie einen Mercedes auf dem Fußgängerweg stehen. Nur Zentimeter von einem Zaun entfernt, der ein verklinkertes Mehrfamilienhaus umgrenzt. Hinter dem Steuer sitzt regungslos und blutüberströmt ein Mann, den die Polizei wenig später als einen 46-jährigen Berliner identifizieren kann. Ein herbeigerufener Notarzt kann nur noch seinen Tod feststellen. Das Auto, in dem er mit zwei von der Beifahrerseite abgefeuerten Kopfschüssen quasi hingerichtet wird, gehöre nicht ihm, sagt eine Polizeisprecherin am Morgen danach.

Während Kriminalisten in der Dimitroffstraße den Tatort ausleuchten, auf Spurensuche gehen und in unmittelbarer Nähe eine Waffe finden, betritt kurze Zeit später ein 37-Jähriger die Polizeiwache an der Pankstraße in Berlin-Gesundbrunnen und gibt dort an, der Täter zu sein.

Die Beamten nehmen ihn nach dem Geständnis vorläufig fest und bringen ihn zurück nach Brandenburg. Der Fall scheint schnell geklärt – gegen Mitternacht informiert die Pressestelle der Polizeidirektion Ost die Medien über die Schießerei und den Täter, der sich selbst gestellt hat.

Bei seiner gestrigen Vernehmung nennt der 37-Jährige Geldstreitigkeiten als Motiv. „Es ging um relativ geringe Summen“, sagt Dorina Dubrau, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder). Er habe geschäftlich mit dem Opfer, einem Automatenaufsteller, in Verbindung gestanden und zeitweise gemeinsam an jenem Sonntagabend mit ihm im Auto gesessen. All diese Angaben würden jetzt geprüft. „Der Beschuldigte“, erzählt sie, „ist türkischer Herkunft.“ Was beide in Basdorf wollten, will sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen Mordes gegen den 37-Jährigen beantragt hat, wurde er noch gestern in Bernau einem Richter vorgeführt. Weitere Erkenntnisse zum Tathergang erhoffen sich Staatsanwaltschaft und Polizei von einer ebenfalls gestern begonnenen Obduktion der Leiche. In Basdorf verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Als Fahrradhändler Frank Rott früh auf sein Firmengelände in die Dimitroffstraße kommt und Schrott abfahren will, wird ihm seitens der Polizei der Zutritt verwehrt. Überall flattert rotweißes Absperrband. Er ahnt zu dem Zeitpunkt nicht, was sich wenige Meter von seinem Zweirad-Center Stunden zuvor zugetragen hat und ist erstaunt, als Kriminalisten auf seinem Firmensitz weitere Einschüsse finden. „Ich renoviere gerade mein Geschäft und war Sonntagabend bis kurz nach 18 Uhr hier“, erzählt er – gut drei Stunden später fielen die tödlichen Schüsse.

Auch Frank Schöning, dessen Tochter den Knall mehrmals wahrgenommen hat, hält die Büroarbeit sonntags länger wach. Schöning wohnt zwei Häuser weiter und hat das Drama vor der Haustür erst bewusst wahrgenommen, als das Licht der Rundumleuchten von Polizei- und Rettungswagen sein Büro erhellte. Krach vor der Tür ist für ihn normal. „Die Straße von der B109 zum Bahnhof ist relativ stark befahren, alle halbe Stunde fährt und kommt ein Zug“, erzählt Schöning.

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