Schwere Tierschutzverstöße : Tierverbot für „Schweine-Baron“

Derzeit laufen in Brandenburg viele Volksinitiative und Demonstrationen gegen Massentierhaltung.
Derzeit laufen in Brandenburg viele Volksinitiative und Demonstrationen gegen Massentierhaltung.

Der Grund sind wiederholte schwere Tierschutzverstöße. Bei einer Bürgerinitiative in Brandenburg rief die Entscheidung große Freude hervor.

svz.de von
11. Dezember 2014, 13:00 Uhr

Behörden in Sachsen-Anhalt haben einen der größten Schweinezüchter Deutschlands mit einem Tierhaltungsverbot belegt. Der Grund sind wiederholte schwere Tierschutzverstöße. Bei einer Bürgerinitiative in Brandenburg rief die Entscheidung große Freude hervor.

„Heute ist ein Feiertag für alle Tierschützer“, sagte gestern Carola Freitag, Sprecherin der Bürgerinitiative „Saustall Wadelsdorf“ im Kreis Spree-Neiße. Sie kämpft darum, dass die Behörden dem bundesweit wegen problematischer Haltungsmethoden berüchtigten Adrianus Straathof die Einrichtung einer zweiten Anlage in dem Landkreis verwehren. Doch das Landratsamt gab jüngst grünes Licht.

Anders im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. Als Resultat mehrerer Razzien hat die Kreisverwaltung jetzt ein Tierhaltungsverbot gegen den Niederländer Straathof persönlich verhängt. Veterinäre hatten zuvor über Jahre immer wieder Auflagen und Bußgelder verhängt. Da dies nicht fruchtete, folgte nun das Haltungsverbot. Konkret sprechen Amtstierärzte laut „Stern“ in einer Stellungnahme von „Qualzucht“. Verletzungen bei Tieren würden unbehandelt bleiben, Antibiotika vorbeugend ohne tierärztliche Verordnung vom Stallpersonal verabreicht und zudem Schweine unsachgemäß getötet. Fazit: Den Tieren werden laut Behörden „erhebliche oder länger anhaltende Schmerzen, Leiden und Schäden“ zugefügt.

Straathof, der bundesweit 25 Anlagen betreibt und dort insgesamt 1,5 Millionen Ferkel jährlich produziert, weist die Vorwürfe als weitgehend unzutreffend zurück und hat gegen das Haltungsverbot Rechtsmittel eingelegt, wie ein Sprecher des Kreises Jerichower Land bestätigt. Deshalb darf der Unternehmer seine Anlagen zunächst weiter betreiben, auch jene in Brandenburg.

„Wir lassen uns aber den Erfolg nicht zerreden“, sagt Carola von der Bürgerinitiative „Saustall Wadelsdorf“. Die Entscheidung in Sachsen-Anhalt habe Signalcharakter. In der Straathof-Anlage Löschen in Spree-Neiße mit 20 000 Schweinen hätten Amtstierärzte registriert, dass falsch gefütterte Tiere „aufgasen“, also bei lebendigem Leibe platzen, so Freitag. Der zuständige Dezernent des Kreises, Olaf Lalk, erklärt hingegen, dass zuletzt bei Kontrollen im November „nichts signifikantes“ moniert worden sei. „Zu 100 Prozent in Ordnung sind diese Betriebe nie.“

Auch deshalb läuft derzeit in Brandenburg eine Volksinitiative gegen Massentierhaltung. Der Hauptausschuss des Landtags hat das Anliegen am Mittwoch zur weiteren Behandlung in den Agrarausschuss verwiesen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) indes hat die Kritik an Massentierhaltung jüngst als „Irrweg“ bezeichnet.

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