Krankenkasse kündigt Prüfung an : Streit um Behandlungskosten in Kliniken

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Darüber hinaus schwankt auch die Zahl der Patienten stark. So kamen in Potsdam im vergangenen Jahr 198 von 1000 Versicherten in eine Klinik, in der Prignitz waren es gar 277.

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19. August 2015, 22:00 Uhr

In Brandenburg gibt es große Unterschiede bei den Krankenhauskosten. Wie aus einer Erhebung der Barmer GEK hervorgeht, wurden für die stationäre Behandlung eines Patienten in Spree-Neiße im Schnitt 764 Euro fällig, in Oder-Spree dagegen 920 Euro und in Frankfurt (Oder) gar 992 Euro. Die Krankenkasse kündigte eine Prüfung an. Ein Grund für die hohen Kosten am Klinikum Frankfurt (Oder) seien die Ausgaben für Tumorbehandlungen, sagt die Landesgeschäftsführerin der Barmer GEK, Gabriela Leyh. Diese befänden sich fast 100 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, berichtet sie.

Darüber hinaus schwankt auch die Zahl der Patienten stark. So kamen in Potsdam im vergangenen Jahr 198 von 1000 Versicherten in eine Klinik, in der Prignitz waren es gar 277. „In Nordbrandenburg scheint das Krankenhaus immer häufiger den Hausarzt zu ersetzen, weil es dort Versorgungslücken gibt“, meint Leyh. „Diese Entwicklung sehen wir mit Sorge.“ „Die Kliniken sollten sich für eine ambulante Versorgung öffnen“, fordert die Barmer-Chefin. Aus ihrer Sicht ist eine Anpassung der Klinikleistungen an den Bedarf vor Ort erforderlich.

Brandenburg ist seit Jahren bundesweit Schlusslicht bei der ärztlichen Versorgung. Nach einer aktuellen Statistik kommen hier 276 Einwohner auf einen berufstätigen Mediziner. Damit rangiert die Mark noch hinter Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Landärzte fehlen vor allem in Spree-Neiße: Dort versorgt eine Praxis im Schnitt über 1000 Patienten. Die Krankenhausgesellschaft Brandenburg kann die Vorwürfe der Barmer nicht nachvollziehen. Jeder Fall werde überdies deutschlandweit nach einem bestimmten Schlüssel abgerechnet, erklärt Geschäftsführer Jens-Uwe Schreck. Zugleich bewertet er einen Vergleich der Patientenzahlen zwischen den Regionen als irreführend. „In Potsdam existiert eine ganz andere ärztliche Versorgungsdichte, die Bevölkerung ist jünger. Also wird dort seltener eine Klinik aufgesucht.“ In der Prignitz lebten deutlich mehr schwer kranke Menschen, die häufiger stationär behandelt würden.

Laut Schreck sind die Notaufnahmen schon seit Jahren überlastet. Da die Kliniken pro Fall durchschnittlich 32 Euro erhielten, die tatsächlichen Kosten 120 Euro betragen, entstehe landesweit ein jährliches Defizit von 34 Millionen Euro. „Wer mehr ambulante Versorgung fordert, muss auch dafür bezahlen“, so Schreck.

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