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Forstzukunft : Streit um Abschussquoten

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Gefährdung von Wildarten, Wildzäune und die besten Wege zum Waldumbau: Jäger und Förster streiten um die Forstzukunft

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 09:57 Uhr

In Brandenburgs Wäldern tobt ein Konflikt um höhere Abschussquoten für Wild. Während Jäger das Ende eines massiven Abschusses fordern, klagen Förster, dass die Wildbestände weiter zu hoch seien. Um den Waldumbau voranzutreiben, müsse mehr geschossen werden, sagt auch Oberförster Dietrich Mehl.

In einem Punkt sind sich Jäger und Förster einig: Das Land muss den Waldumbau weiter vorantreiben. Die Devise lautet: weg vom reinen Kiefernwäldern, hin zu Mischwäldern. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, ist aber äußerst strittig.

Die Förster pochen auf einen stärkeren Wildabschuss, um zu verhindern, dass Jungbäume durch Wildverbiss geschädigt werden. Die Jäger aber weigern sich, immer öfter zur Flinte zu greifen. Sie fordern, dass das Land entweder den Verzicht auf teure Wildzäune rückgängig macht oder dafür sorgt, dass es für Reh & Co. alternative Fressmöglichkeiten gibt. Zuletzt war sogar vom Verschwinden ganzer Bestände die Rede. In manchen Gebieten sei der Rothirsch bereits ausgerottet, so der Vorwurf der Jäger.

„Das ist nicht nur unsachlich, sondern schlichtweg falsch“, meint Oberförster Dietrich Mehl. Er ist in der Schorfheide Herr über fast 22 000 Hektar Wald und selbst regelmäßig auf Jagd. Mehl verweist auf die aktuelle Streckenstatistik, die das Landesumweltministerium erst vor wenigen Wochen veröffentlicht hat. Demnach gehört Brandenburg weiterhin zu den wildreichen Bundesländern.

Beispiel Rotwild: Die Zahl der in der Jagdsaison 2014/2015 erlegten Tiere ist mit 10 488 Stück erstmals fünfstellig. Für Förster Mehl bester Beleg dafür, dass dem Rothirsch in Brandenburg keinesfalls die Ausrottung droht. Nach Ministeriumsangaben wurden rund 166 000 Schalenwildtiere wie Rehe, Rot- und Damwild erlegt. Das sind vier Prozent mehr als im vorausgegangenen Jagdjahr.

Zu der Landeswaldoberförsterei Reiersdorf, die Dietrich Mehl leitet, gehören 15 Reviere zwischen Uckermark, Barnim und Oberhavel. Nach rund 15 Jahren Waldumbau und Waldverjüngung kann der Förster dort auf erste sichtbare Erfolge verweisen. In immer mehr Waldstücken reihen sich neben den für die Mark typischen Kiefern übermannshohe, gesunde Birken, Erlen, Ebereschen, Buchen und Eichen. Ein Wildschutzzaun ist in großen Teilen der Oberförsterei nicht oder zumindest nicht mehr nötig. Die Natur sorge inzwischen von ganz allein für ausreichend Jungbäume, sagt Mehl.

Dennoch ist er überzeugt, , dass vor allem Reh- und Rotwild weiter intensiv bejagt werden muss. Denn besonders an nährstoffarmen Standorten gebe es zu viele durch Wildverbiss geschädigte Jungbäume. Dort sorge das Land für teure Neupflanzungen, die als Futterquelle besonders begehrt seien.

Die Einrichtung weiterer Schutzzäune, wie von den Jägern gefordert, könne zwar auf armen Böden die richtige Wahl sein, räumt Mehl ein. „Aber das Gros kann ohne funktionieren.“ Überhaupt seien Zäune sehr kostspielig und würden den Tieren den Lebensraum nehmen. „Von daher ist es die bessere Alternative, jetzt relativ viel Wild zu schießen, damit der Pflanzschutz ohne Zaunschutz funktionieren kann.“

So werde sich das Waldbild in den nächsten Jahrzehnten gänzlich verändern, prophezeit Mehl. Dann sei ein strukturreicher Bestand erreicht. „Ein vielfältigerer Wald kann auch wieder eine höhere Wilddichte vertragen. Und obendrein bietet er den Tieren einen besseren Lebensraum als heute.“

Dass der Wald von morgen ein neues und frisches Gesicht bekommen muss, sei kein Vorhaben, das aus einer Laune heraus entstanden sei, betont der Förster. „Wir brauchen stabile Mischwälder, um die dauerhafte Nutzbarkeit des Waldes gewährleisten zu können.“ Inzwischen wisse man, dass Mischwälder die bessere Variante als Monokulturen seien. Sie seien nicht nur ökonomisch wertvoller, sondern auch in ökologischer Hinsicht. „Monokulturen sind anfälliger für Schädlinge, Stürme und andere Wetterextreme. In Mischwäldern hingegen können andere Baumarten in die Lücke springen, wenn eine Art Probleme zum Beispiel mit dem Klimawandel hat.“

Der Waldumbau sei jedoch eine gemeinsame Aufgabe von Förstern und Jägern, betont Mehl. „Die Lösung des aktuellen Konflikts kann also nur sein, dass wir uns jetzt über die dafür notwendigen Schritte verständigen.“

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