ZDF : Spreewald-Krimi voller Träume

Wieder im Spreewald unterwegs: Oberinspektor Fichte (Thorsten Merten, l.) und Kommissar Krüger (Christian Redl)
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Wieder im Spreewald unterwegs: Oberinspektor Fichte (Thorsten Merten, l.) und Kommissar Krüger (Christian Redl)

Anna Maria Mühe als Wasserleiche: Im neuen ZDF-Spreewald-Krimi muss Kommissar Krüger herausfinden, warum die „Tote im Weiher“ starb

Eine junge Frau hastet verwirrt durch einen Wald. Die Sicht ist schlecht. Als sie einen Weiher entdeckt, wirkt sie fast erleichtert. Langsam geht Carola im Wasser unter. Im neuen Spreewald-Krimi begibt sich der eigenwillige Kommissar Thorsten Krüger (Christian Redl) auf das Gebiet der Psychologie. Warum starb die Frau, die vor Jahren ihre Tochter verlor? Das ZDF strahlt die Folge „Die Tote im Weiher“ mit Anna Maria Mühe am Montag um 20.15 Uhr aus. Wie in der Filmreihe gewohnt, gibt es wieder stimmungsvolle Eindrücke des mystischen Spreewalds in Brandenburg.

Das Innere wird nach außen gekehrt. Bei einer Psychotherapeutin laufen alle Fäden zusammen. In vielen Rückblenden ist die junge Frau Carola in der Praxis. Und der Kommunalpolitiker Charlie, der vor dem großen Karrieresprung steht. Beide berichten von Träumen, die sie nachts aufschrecken lassen.

Gibt es eine Verbindung? Lange bleibt das unbeantwortet. Carola träumt immerzu, dass ihre Tochter sterben wird. Sie wird damit recht behalten. Mutter und Tochter kommen an einem regenreichen Abend mit dem Auto von einer Allee ab. Der Wagen rast gegen einen Baum - nur Carola überlebt. Der Politiker träumt immerzu, dass er erstochen wird. Aber ihn plagt noch etwas anderes - was seine Ehefrau, die in ihm schon den neuen Ministerpräsidenten sieht, aber strikt verschwiegen wissen will.

Der verschlossene Kommissar Krüger – er lebt allein in einem Wohnwagen mitten im Spreewald und ist wortkarg – nimmt zunächst die Therapeutin in die Zange. Gab sie Carola Pilze gegen ihre Schuldpsychose, die sie dann in den Tod trieben? Der Kontakt mit der Therapeutin lassen zugleich bei dem Kommissar Kindheitserinnerungen aufkommen – er greift zur Flasche.

Der Krimi von Sherry Hormann springt zwischen allen möglichen Zeitebenen und verlangt dem Zuschauer Konzentration ab. Die Rückblenden verschwimmen ineinander. Redl besticht wie gewohnt durch sein reduziertes Minenspiel. Mühe und Loibl machen die Zerrissenheit und das Gefühl, nicht mehr atmen zu können, greifbar. Gebrochene Persönlichkeiten in der Spreewälder Provinzidylle.

Und die Landschaft mit den dichten Wäldern, Fließen und kleinen Inseln tut ihr Übriges. Mühe fasst es in einem Interview des Senders zusammen: „Der Spreewald ist eine ganz eigene Welt, man kann sich geborgen fühlen und im selben Moment völlig verloren und klein. Diese Ambivalenz konnte ich für meine Figur gut benutzen.“ Dazwischen Erfrischendes: Die Kamera bildet eine Art Ping-Pong-Spiel eines Streitgesprächs zwischen dem Politiker Charlie und seinen Kollegen ab. Und da ist Krügers Kollege, der handfeste Polizist Fichte, der sich gegen seinen betrunkenen Chef durchsetzen muss.

Der Spreewald-Krimi steht für den tiefen, melancholischen und anspruchsvollen Krimi. Und für den stillen Moment im Film. Das Format überzeugt: Die sechste Folge „Mörderische Hitze“ über eine gescheiterte Existenz eines Mannes, der sich im Spreewald als Kahnbauer etablieren will, brachte Roeland Wiesnekker im Oktober den Deutschen Fernsehpreis als Bester Schauspieler ein. Die Krimi-Folge sahen im Mai 6,28 Millionen Menschen.

Die achte Folge mit dem Arbeitstitel „Das Nix-Projekt“ ist in Arbeit. Die Dreharbeiten sollen laut ZDF heute enden. Es geht um eine alte sorbische Legende vom Nix - einem Wassermann. Schauplätze sind Burg und Lübbenau mitten im Spreewald.

Das Drehbuch stammt wie bei bislang allen Folgen von Thomas Kirchner. Ein Sendetermin steht laut ZDF noch nicht fest.

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