Mehr als 100 Exemplare : So viele Wölfe wie nie in Brandenburg

Mit einer Wärmeschutzkamera aufgenommen: junge Wölfe in Jüterbog (Kreis Teltow-Fläming).
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Mit einer Wärmeschutzkamera aufgenommen: junge Wölfe in Jüterbog (Kreis Teltow-Fläming).

Landesumweltamt meldet kaum gerissene Nutztiere, doch Schafzüchter klagen.

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31. Juli 2014, 07:10 Uhr

Von Ulrich Thiessen In Brandenburg gibt es derzeit so viele Wölfe wie noch nie seit der Rückkehr der Tiere in den 1990ern. Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, schätzt die Zahl auf mehr als 100 Exemplare. Die diesjährigen Welpen sind dabei noch nicht mit eingerechnet. Die Zahl der Welpen konnte laut Freude noch nicht genau bestimmt werden. In Jüterbog (Teltow-Fläming) sind es fünf Stück. Es können aber auch mehr sein, erklärt er.

Die Wölfe haben sich in Brandenburg vor allem auf ehemaligen Militärflächen und in Braunkohletagebauen angesiedelt. „Anzutreffen sind die Tiere aber im ganzen Land. Auch am Stadtrand von Frankfurt (Oder) und Cottbus wurden sie schon gesehen“, so Freude.

Die Rudel leben vor allem in der Region um Jüterbog im Südwesten des Landes, in der Lausitz an der Grenze zu Sachsen, aber auch in der Kyritz-Ruppiner Heide und an der Grenze zu Niedersachsen in der Prignitz.

Freude erklärt, dass der Schaden an Nutztieren in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist. 2011 war er mit 87 gerissenen Schafen, einer Ziege, 13 gezüchteten Dammhirschen und einem Jungrind am höchsten. In diesem Jahr wurden 36 Schafe, drei Hirsche und ein Kalb als gerissen registriert. Die vom Umweltministerium ausgezahlten Schadensersatzleistungen betrugen vor drei Jahren noch mehr als 15 000 Euro und sanken auf 1350 in diesem Jahr.

Das Landesumweltamt macht die verstärkten Vorkehrungen bei Landwirten und Schafhaltern für die sinkende Zahl an gerissenen Nutztieren verantwortlich. „Der Wolf bleibt für die Schäfer aber eine Zumutung“, betonte Freude. Es sei vor allem mit mehr Arbeit verbunden, die höheren Schutzzäune aufzustellen, die Wölfe nicht überspringen können. „Bei Haupterwerbsschäfern gibt es praktisch keine Schafsrisse durch Wölfe mehr“, konstatiert Freude.

„Das ist kein Verdienst der Politik“, kontert Knut Kuczinski gegenüber dieser Zeitung. Der Vorsitzende des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg erklärt, dass die Schäfer in den vergangenen Jahren sich Herdenschutzhunde angeschafft haben. Im Gegensatz zu den Nachbarländern habe Brandenburg dies nicht finanziell unterstützt. Der Unterhalt eines einzelnen solchen Tieres kostet laut Kuczinski rund 1000 Euro im Jahr. Der Schäfer aus Ostbrandenburg hat zehn Herdenschutzhunde angeschafft. „In den kritischen Gebieten in der Lausitz geht inzwischen nichts mehr ohne Herdenschutzhunde“, sagt der Verbandsvorsitzende.

Seit den 1990ern sind in Brandenburg 30 tote Wölfe aufgefunden worden. Neben Autounfällen als wichtiger Todesursache nimmt auch die Zahl der illegal erlegten Tiere zu. Wölfe sind streng geschützt.

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