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Stolpe an der Oder : Silberschatz lässt Wissenschaft jubeln

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rätsel aus Slawenzeit löst Wettlauf zwischen Archäologen und Schatzsuchern aus

von
erstellt am 03.Okt.2014 | 11:15 Uhr

Fingernagelgroße Silberbrocken, halbierte und geviertelte Münzen, dazu Teile von Schmuckstücken und kleine Metallbarren, alles sichtbar mit grobem Werkzeug geteilt. Der Silberschatz aus der Slawenzeit, entdeckt im brandenburgischen Stolpe an der Oder, ist für die Fachwelt eine kleine Sensation. Jetzt ist er erstmals mit restaurierten Originalstücken vorgestellt worden.

„Das ist natürlich aufregend, so etwas zu entdecken“, sagt Archäologe Thomas Kersting, beim Brandenburgischen Landesamt Denkmalpflege für derartige Funde zuständig. Bei dem 55-Jährigen gehen nicht jeden Tag solche glücklichen Botschaften ein.

„Schritt auf Schritt sind Scherben, Teile von Feuersteinen oder Reste von Waffen zu finden“, sagt der ehrenamtliche Denkmalpfleger Lars Wilhelm aus Stolpe. Zum Jahreswechsel 2012/2013 blinkte es im Gras: Eine Silbermünze war mit bloßem Auge erkennbar. Was nun zu tun war, wusste der 44 Jahre alte Bildhauer und Hobbyarchäologe bereits: Anruf beim Landesamt.

Vor einigen Jahren schon war ihm ein Dachsbau aufgefallen - und ein weiblicher Beckenknochen, der plötzlich davor lag. „Das Tier hatte ihn aus seiner Behausung geworfen, die es unmittelbar in einer prunkvollen Begräbnisstätte von Slawen angelegt hatte“, sagt er.

Fachleute konnten die spektakulären Funde sichern. Wilhelm beunruhigten nach dem Silberfund frische Spuren im Waldboden.

Offenbar hatten illegale Schatzsucher sich in dem Terrain schon zu schaffen gemacht. Es liegt mitten im Naturschutzgebiet Unteres Odertal – der genaue Ort wird geheim gehalten.

Für die Archäologen durfte es nun keinen Zeitverzug mehr geben. Mit Metall-Sonden wurde ein knapp 40 Quadratmeter großes Areal abgesucht, sagt Kersting. Insgesamt drei Silberverstecke – in der Fachsprache heißt es Hortfunde - konnten lokalisiert werden. Es waren fast 1000 Teile mit einem Gewicht von insgesamt etwa 600 Gramm.

Archäologe Felix Biermann vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen erwartet neue Erkenntnisse zur Wirtschaftsgeschichte der Region – etwa zu den Fragen, wie die Handelsverbindungen waren und wohin die Netzwerke führten.

Der Wissenschaftler leitete die Ausgrabung in Stolpe mit. Die Münzen stammen aus arabischen Ländern, England, Polen, Böhmen, Ungarn und dem Deutschen Reichsterritorium. Ein Forscherteam untersucht die Schätze nun weiter. Warum wurden sie einst an einer abgelegenen Stelle im Wald vergraben? Das fragt sich die Fachwelt. „Innerhalb von 50 bis 100 Jahren wurden die drei Silberverstecke angelegt“, sagt Biermann. Das belegten die Prägestempel der Münzen.Einen Kultort scheint es dort mitten im Wald nicht gegeben haben.

„Die Münzen und Schmuckstücke haben sicher für den Handel gedient und wurden vergraben, um sie später wieder abzuholen“, meint er. Warum das nicht passierte, dafür gibt es wenige Erklärungen. Eines aber ist sicher: „Es waren dramatische kriegerische Zeiten“, sagt Biermann.

Hobbyarchäologe Wilhelm denkt, dass die Besitzer nicht zurückgekommen sind, weil sie starben.

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