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Elternteil stirbt im Gleisbett : Sechs Küken vor dem Zug gerettet

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Zwischenfall behinderte gestern Vormittag den Zugverkehr zwischen Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder). Eine Schwanenfamilie verirrte sich auf das Gleisbett. Bundespolizei und Notfallmanagement der Bahn kamen zum Einsatz.

svz.de von
erstellt am 19.Mai.2015 | 10:00 Uhr

Eine Schwanenfamilie – zwei erwachsene und sechs kleine Schwäne, die noch nicht lange geschlüpft sein können – sitzen gestern Morgen im Gleisbett der Eisenbahnbrücke kurz vor der Haltestelle „Kraftwerk Finkenheerd“ fest. Verzweifelt versuchen die Eltern, mit ihrem Nachwuchs über die Schwellen zu kommen – vergeblich. Die Wollknäule sind einfach noch nicht groß genug. Allein können die Schwäne der Gefahr nicht entrinnen.

Ein Zug rollt heran. Der Lokführer entdeckt die weißen Vögel in ihrer Not und gibt in der Zentrale Bescheid. Wenig später treffen Notfallmanagement der Deutschen Bahn und Bundespolizei ein und kümmern sich um den Fall. Eines nach dem anderen werden die Tiere geborgen – alle Küken und ein Elternteil schaffen es unbeschadet aus dem Gleisbett.

Nur für einen der erwachsenen Schwäne – ob Mutter- oder Vatertier ist vor Ort nicht zu bestimmen – kommt die Hilfe zu spät. Er wird von einem weiteren vorbeifahrenden Zug am Kopf getroffen, und verendet. Auch er wird von den Bundespolizisten von der Bahnlinie geholt und wartet nun im Gras neben der Strecke darauf, auf seine letzte Reise zu gehen. „Er muss zum Abdecker gebracht werden, dafür sorgt die Deutsche Bahn“, erzählt Bundespolizist Sven Harder, der beim Einsatz vor Ort war. Gerade zieht er die durchsichtigen Plastikhandschuhe aus, die er während der Aktion getragen hat.

Er freut sich, dass er und seine Kollegen zumindest der Großteil der Familie haben retten können. Der verbliebene Elternteil voran, der Nachwuchs dicht aneinandergedrängt hinterher, watscheln die Schwäne nun davon. „Sie waren bestimmt heute morgen schon auf dem Weg zum Wasser“, vermutet er. „Früh sind sie schon auf der B112 gesichtet worden und dann sind sie hierher gekommen“, kann er berichten. „Jetzt sind sie in diese Richtung davon“, ergänzt er und zeigt in Richtung des hohen Grases im Osten.

Überrascht davon, dass sich die Tiere in die Gleise verirrt hatten, ist der Polizist nicht. „Wir werden häufig zu solchen Einsätzen gerufen“, sagt er. Nicht immer sind es Schwäne, die gerettet werden müssen, oftmals eher Rehe und Wildschweine, aber auch Schafe sind zuweilen darunter. Der Bahnverkehr kann diesmal während der Rettungsaktion weitergelaufen, allerdings müssen die Züge mit verlangsamter Geschwindigkeit an dem Rettungsteam vorbeifahren. Nach einer halben, dreiviertel Stunde ist der Einsatz beendet – vorerst, wie sich später herausstellen wird.

Denn die Schwanenfamilie setzt ihren Weg nicht, wie angenommen, nach Osten fort, sondern dreht um und ist gegen 11 Uhr wieder in den Gleisen auf der Brücke zu finden. „Es war wieder ein Lokführer, der die Tiere entdeckt hat“, berichtet Burkhard Ahlert, Leiter der Presseabteilung der Deutschen Bahn für den Bereich Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Wieder müssen die Teams ausrücken und die Schwäne von den Gleisen holen. Der erneute Einsatz dauert in etwa noch einmal eine Stunde, ergänzt der Sprecher. Diesmal schlagen die Schwäne anschließend hoffentlich den richtigen Weg ein und der Nachwuchs kann nun bald gefahrlos ein paar Schwimmstunden auf dem Wasser nehmen.

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