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Nackten in die Tasche gegriffen: : Schwitzen wird teurer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Sauna-Betreiber laufen vergeblich Sturm gegen eine Steuererhöhung.

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2015 | 10:00 Uhr

Der Fiskus will den Nackten in die Tasche greifen: Statt sieben müssen Sauna-Betreiber jetzt 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Brandenburger Bäder haben bereits die Preise erhöht und befürchten einen drastischen Besucherrückgang.

Denn mächtig Dampf entfachen die Saunabetreiber seit Monaten nicht nur in den Schwitzkammern, sondern auch in der Bundespolitik. Doch die massiven Proteste waren vergeblich. Das Bundesfinanzministerium hat eine steuerliche Sonderbehandlung der Wellnesseinrichtungen kassiert. Die Folge: Ein Tagesticket für Saunagänge kostet im Land um bis zu zwei Euro mehr. „Wir werden das bald an den Kassen spüren“, sagt Gunnar Pertermann, Chef der „Arbeitsgemeinschaft Bäder“ beim brandenburgischen Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Er befürchtet einen deutlichen Besucherrückgang durch die Preiserhöhungen, zu denen die Unternehmen gezwungen seien. Und letztlich erwartet er „drastische Folgen“ für die Betreiber. „Das wird zu neuen Defiziten führen.“

So hat beispielsweise die Bad-Saarow-Therme mit Verweis auf die höheren Abgaben die Eintrittspreise für den Sauna-Bereich deutlich nach oben korrigiert. Drei Stunden Aufenthalt kosten dort 20 Euro statt bisher 15 Euro, eine Tageskarte 25 statt bisher 20 Euro. Auch im Inselbad (Eisenhüttenstadt) müssen Gäste mehr zahlen als bislang.

Private Bäderbetreiber wollen dagegen erst einmal abwarten. „Wir planen keine Preiserhöhungen“, sagt eine Sprecherin der Spreewaldtherme. Die Steuererhöhung sei zwar ein wirtschaftlicher Einschnitt, aber nicht existenzbedrohend. Ebenso will die Fontane-Therme in Neuruppin die Tickets nicht verteuern.


Auch Hoteliers von Regelung betroffen


Pertermann wirft den Landesregierungen und dem Bund vor, viele Komponenten bei der Steuererhöhung außer Acht gelassen zu haben. „Saunagänge dienen vor allem dazu, das Immunsystem sowie Herz und Kreislauf zu stärken“, meint der Chef der Bäderbetriebe Schwedt (Uckermark). „Unsere Gäste tun etwas für ihre Gesundheit und werden jetzt bestraft.“ Was ihn besonders ärgert, ist die „schlechte Kommunikation“ der Finanzbehörden, in denen die Steuererhöhung „durch die Hintertür“ vorangetrieben worden sei.

Auch andere Branchenvertreter prophezeien schlechte Zeiten. Die Steuererhöhung werde zu einem „Bädersterben“ führen, da Saunabereiche wesentlich zur Finanzierung der kommunalen Wellnesstempel beitragen, meint der Deutsche-Saunabund. Geschäftsführer Rolf-Andreas Pieper beziffert die finanziellen Verluste auf rund 70 Millionen Euro jährlich. Nach seinen Schätzungen werde die Zahl der regelmäßigen Saunagänger um zehn Prozent zurückgehen.

Nicht nur Saunabetreiber, sondern auch unzählige Brandenburger Hoteliers sind betroffen. „Viele bieten Wellness inklusive an, die müssen das jetzt irgendwie aus dem Zimmerpreis herausrechnen und gesondert ausweisen“, sagt Olaf Schöpe, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Auf jeden Fall kann niemand zwölf Prozent höhere Kosten ohne weiteres verkraften.“ Schöpe spricht von einem weiteren unschönen Kapitel in der Steuergesetzgebung. Von Protesten hat der Verband allerdings abgesehen, da diese aus seiner Sicht nichts bringen. „Es werden vom Staat eben immer neue Bürokratiehürden aufgebaut.“ Auch die Brandenburger Tourismusmarketinggesellschaft warnt vor möglichen Folgen. „Die Leute sind preissensibel“, sagt Sprecherin Birgit Kunkel. Letztlich seien Thermen und Saunalandschaften ein integraler Bestandteil der touristischen Infrastruktur im Land, die auch aktiv beworben werden.

Pertermann hofft angesichts der Probleme, dass der Bund doch noch einlenkt. Gleichzeitig befürchtet der Schwedter Bäderchef, dass künftig auch die anderen Bereiche in Spaßbädern höher besteuert werden. Der VKU will erfahren haben, dass es entsprechende Begehrlichkeiten in der Politik gibt. Davon will das Finanzministerium nichts erfahren haben. „Die Länder haben auch keinen Einfluss darauf, ob das Bundesfinanzministerium die bisher bestehenden Sonderreglungen bei der Mehrwertsteuer abschafft“, sagt Sprecher Thomas Vieweg.

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