Tierquälerei : Schüsse auf Kater

Nach der Operation ist Spike wieder bei seiner Familie in Linow.
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Nach der Operation ist Spike wieder bei seiner Familie in Linow.

Brutaler Angriff: Unbekannte zielen absichtlich mit Diabolo-Geschoss auf Kater Spike. Die Kugel verfehlte das Rückgrat nur knapp.

Es ist ein brutaler Fall von Tierquälerei: In Linow bei Rheinsberg ist in der vergangenen Woche ein Kater angeschossen worden – offensichtlich mit voller Absicht. „Bei der Polizei sagte man mir, dass so etwas mit einem Luftgewehr eigentlich nicht passieren kann, es sei denn, man hält direkt drauf“, sagt Besitzerin Ulrike Liborius. Die Kugel verfehlte das Rückgrat des Katers nur knapp. Spike wurde operiert, wird aber höchstwahrscheinlich Folgeschäden davontragen. Polizei und Besitzer suchen nun nach dem Täter.

 Am 22. Juni hatte Ulrike Liborius das Tier wie jeden Morgen gegen acht Uhr aus dem Haus gelassen. „Er ist wie üblich auf das Nachbargrundstück gelaufen“, erzählt sie. Als sie am Nachmittag nach Hause kam, sei Kater Spike nicht wie sonst da gewesen. Auch über Nacht blieb er verschwunden.

Am nächsten Morgen habe sie sich auf die Suche gemacht und ihn schließlich auf der Terrasse des leer stehenden Nachbargrundstücks gefunden, erzählt Liborius. „Sein Po hing herunter, er konnte nicht mehr richtig laufen“, berichtet Spikes Besitzerin.

Sofort fuhren sie und ihr Mann den Stubentiger in die diensthabende Tierarztpraxis in Wesenberg. „Wir dachten zuerst an einen Biss“, sagt die 46-Jährige. Durch eine Röntgenaufnahme stellte sich jedoch heraus, dass ein Diabolo-Geschoss im Rücken des Katers steckte. Die Kugel befand sich nahe am Rückgrat, erklärt Ulrike Liborius.

Mehrere Male musste das Ehepaar mit dem Kater zum Tierarzt, bis klar war, ob das Projektil überhaupt entfernt werden kann, ohne die Wirbelsäule zu verletzen und damit eine Lähmung zu riskieren. In Neustrelitz fanden Liborius’ jedoch einen Spezialisten, der den Eingriff wagte.

 Gestern vor einer Woche wurde Spike operiert. „Der Tag war die Hölle für mich“, sagt Ulrike Liborius. Sie hängt sehr an ihrem Kater: Ihr Mann hatte ihr das Tier vor elf Jahren nach dem Tod ihres Vaters geschenkt, um die Trauernde auf andere Gedanken zu bringen.

Mittlerweile ist Spike wieder zu Hause bei seinen Besitzern: Am Montag durfte Ulrike Liborius ihn nach Tagen des Bangens aus Neustrelitz abholen. „Der Arzt hat mir wenig Hoffnung auf eine vollständige Genesung gemacht“, erklärt sie. Das Geschoss habe einen Wirbelkörper beschädigt. In einigen Tagen soll das Tier noch einmal geröntgt werden, um Veränderungen zu beobachten. Auch eine zweite Operation sei nicht ausgeschlossen.

Das Ehepaar hat sofort Anzeige bei der Polizei erstattet. „In diesem Fall liegt mindestens ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor“, erklärt Ariane Feierbach, Sprecherin der Polizeidirektion Nord. Strafrechtlich gesehen laufe die Tat unter „Sachbeschädigung“. Dass Tieren Leid zugefügt werde, komme grundsätzlich häufiger vor, so die Polizei-Sprecherin weiter. Oft werde dies jedoch nicht angezeigt, sodass keine verlässlichen Zahlen vorlägen. „Die Dunkelziffer wird sehr hoch sein“, schätzt Feierbach.

Ulrike Liborius will nun mit Wurfsendungen im Dorf die Nachbarn zur Mithilfe aufrufen und vielleicht auch den Täter erreichen. „Es ist eine Sauerei“, findet auch der Linower Ortsvorsteher Burkhardt Stranz. „Es ist ja nicht der erste Fall von Tierquälerei bei uns.“ Er selbst habe vor einiger Zeit schon eine Katze verloren – sie wurde vergiftet. „Wenn man so etwas nicht öffentlich macht, nimmt das doch noch zu“, fürchtet er.

Dass der Täter gefunden wird, glaubt Stranz indes nicht: „Zu DDR-Zeiten hatte doch jeder eine Luftbüchse im Haus. Und wahrscheinlich ist das immer noch so.“

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