Debatte über Wiederaufbau : Schloss Beerbaum illegal abgerissen

Gutsanlage Beerbaum: Der Schuttberg neben dem Herrenhaus ist von der Straße aus schwer einsehbar.
Gutsanlage Beerbaum: Der Schuttberg neben dem Herrenhaus ist von der Straße aus schwer einsehbar.

„Traurig, dass so etwas in Deutschland passieren darf“, schreibt ein Nutzer des Internetforums „Schatzsucher“, in dem über den Abriss eines ehemaligen Herrenhauses diskutiert wird, von dem nur noch Teile auf der Gutsanlage in Beerbaum übrig sind.

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28. August 2015, 10:00 Uhr

„Traurig, dass so etwas in Deutschland passieren darf“, schreibt ein Nutzer des Internetforums „Schatzsucher“, in dem seit Monaten über den Abriss eines ehemaligen Herrenhauses diskutiert wird, von dem nur noch Teile auf der Gutsanlage in Beerbaum bei Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) übrig sind.

Dass so etwas passieren darf, davon kann jedoch keine Rede sein, denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz. „Dass ein derart bedeutsames Objekt so zerstört wird, ist einmalig“, sagt Ingetraud Senst vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege. Vom Zustand des zerstörten Gebäudes ist sie schockiert. Das Landesamt misst dem mehr als 200 Jahre alten Haus, im Volksmund auch Schloss Beerbaum genannt, eine hohe bau- und kunstgeschichtliche Bedeutung bei. Die Anlage und damit auch das Herrenhaus befinden sich in Privatbesitz. „Laut Denkmalschutzgesetz ist der Eigentümer dazu verpflichtet, das Denkmal zu erhalten“, stellt Carla Bork, Leiterin des Bauordnungsamts Märkisch-Oderland, klar.

Das Thema beschäftigt Land und Kreis bereits seit über einem Jahr. Während die Behörden das Denkmal retten wollen, würde der Eigentümer das Gebäude am liebsten von der Denkmalliste löschen lassen und die Fläche auf dem Gut anderweitig nutzen, wie das Landesamt mitteilt. Andere Teile des Hofes, etwa die Brennerei, werden dagegen noch bewirtschaftet. Das Herrenhaus aber wird immer weiter abgetragen. „Wir haben mit dem Eigentümer noch keine gemeinsame Linie gefunden, deswegen dauert das Verfahren auch so lange“, erklärt Bork.

Die Untere Denkmalschutzbehörde hat ein ordnungsbehördliches Verfahren eingeleitet, doch bis jetzt sind keine konkreten Schritte erfolgt. Das könnte sich jedoch ab dieser Woche ändern. In jüngster Zeit sei der Abbruch des Hauses noch einmal angezeigt worden, sagt die Amtsleiterin. Es wurde beobachtet, dass Bauschutt vom Gelände geräumt wurde. Das deute darauf hin, dass der Rückbau des Herrenhauses fortgesetzt wurde.

Am Mittwoch waren Mitarbeiter des Landesdenkmalamtes vor Ort, um sich vom aktuellen Zustand der Ruine ein Bild zu machen. Das Ergebnis der Besichtigung soll ausschlaggebend für eine Entscheidung des Landes sein, wie in dem Verfahren weiter vorgegangen wird. Die Bausubstanz wird vom Kreis geprüft. Der Kreis plädiert für einen Wiederaufbau des Gebäudes, auch wenn der Denkmalwert bereits geschmälert ist. Die Kosten könnten dann auf den Eigentümer umgelegt werden. Noch besteht jedoch die Hoffnung, mit dem Eigentümer eine Lösung zu finden. Der Anwalt des Bauherrn hat sich noch nicht geäußert. Auch der Eigentümer war bislang nicht erreichbar.

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