Tourismusbranche protestiert : Schleusen machen früh dicht

Es gibt Streit um  neue Betriebszeiten der märkischer Schleusen.
Es gibt Streit um neue Betriebszeiten der märkischer Schleusen.

Von allen Seiten hageln Proteste bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) Berlin ein, nachdem die Behörde per amtlicher Bekanntmachung die Öffentlichkeit Ende Februar über neue Betriebszeiten ostbrandenburgischer Schleusen in Kenntnis setzte.

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20. März 2015, 08:00 Uhr

Von allen Seiten hageln Proteste bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) Berlin ein, nachdem die Behörde per amtlicher Bekanntmachung die Öffentlichkeit Ende Februar über neue Betriebszeiten ostbrandenburgischer Schleusen in Kenntnis setzte. Die Tourismusbranche ist aufgebracht, nachdem die Schleuse Neue Mühle bei Königs Wusterhausen – wassertouristisch die Schnittstelle zwischen Hauptstadt und Brandenburg – in der Hauptsaison nur noch von 8.30 bis 18 Uhr passiert werden kann. „Das ist ein Nadelöhr, an dem es schon in den Jahren zuvor zu mehrstündigen Wartezeiten gekommen ist“, schüttelt Ellen Rußig, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Seenland Oder-Spree, verständnislos den Kopf. Auch die Betriebszeiten der Schleusen in Kummersdorf, Storkow und Wendisch-Rietz werden ab April eingedampft. Die Ostregion werde vom Wassertourismus abgeschnitten, bedauert Rußig.

Das gleiche Gefühl kommt bei Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostbrandenburg, auf, der die Änderung der Schleusenzeiten als inakzeptabel bezeichnet und eine verfehlte Bundesverkehrspolitik dafür verantwortlich macht. Das Bundesverkehrsministerium hatte die ostdeutschen Wasserstraßen herabgestuft und sich geweigert, die zu kleinen Schleusen in Fürstenwalde und Kleinmachnow auszubauen. Jetzt bremst die Bundesbehörde auch die Binnenschifffahrt aus: Die Schleusen in Eisenhüttenstadt und Kersdorf sind künftig nur noch zwischen 8 und 17.30 Uhr besetzt, vorher waren Schleusungen zwischen 6 und 20 Uhr möglich.

„Das leiseste, ökologischste und effizienteste Transportmittel wird im Wettbewerb benachteiligt gegenüber dem Verkehr auf Straße und Schiene, wo 24 Stunden am Tag Güter bewegt werden“, sagt IHK-Chef Schülke. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung begründet die Maßnahmen mit Personalmangel. „Entfallene Stellen werden nicht neu besetzt“, sagt der stellvertretende Leiter Lars Doering. Der zuständige Außenbezirksleiter Thomas Englisch erklärt, schon in der zurückliegenden Saison die Betriebszeiten der Schleusen für den Freizeitsport nur auf Kosten der Gewässerunterhaltung bis 22 Uhr garantiert haben zu können. „Streckenarbeiten wie das Beseitigen von Müll auf dem Wasser oder das Freischneiden von Schildern haben wir vernachlässigt und das Personal an den Schleusen eingesetzt.“

Nicht nur der Landestourismusverband hat Protest angemeldet. Auch der Wirtschaftsverband Wassersport (WSW) sieht seine Branche bedroht. „Was für einen Aufschrei gäbe es in Bayern, wenn dort jemand auf die Idee käme, ab 13 Uhr die Pisten zu sperren“, wundert sich WSW-Schleusenexperte Max Hiller.

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