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Blaulicht : Schlag gegen Autoschieber

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ermittler nehmen fünf Verdächtige fest. Gestohlene Fahrzeuge wurden binnen einer Stunde zerlegt

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 10:46 Uhr

Deutsche und polnische Ermittler haben am Mittwoch fünf Mitglieder einer Autoschieberbande festgenommen. Die Zugriffe erfolgten in Polen und in England. Den Männern zwischen 24 und 45 Jahren werden mehr als 60 Diebstähle von Transportern der Marken Mercedes und VW zugerechnet.

Die Beschuldigten sitzen seit Mittwoch in Polen und England in Untersuchungshaft. „Wir werden versuchen, dass die Tatverdächtigen nach Deutschland ausgeliefert werden“, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding in Frankfurt (Oder).

Laut einer Bilanz von Polizeisprecher Dietmar Keck konnten seit dem Mai des vorigen Jahres bereits drei Banden überführt werden. Ihnen werden Diebstähle mit einem Schaden von 3,5 Millionen Euro zugerechnet. Bei der Durchsuchung von sechs Wohnungen und Häusern fanden die Beamten am Mittwoch erhebliche Mengen Datenträger sowie Navigationsgeräte und Mobiltelefone. Diese werden von zwei Analytikern des Europäischen Polizeiamtes (Europol) ausgewertet.

Gestohlen wurden die Transporter in fünf Bundesländern – darunter Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen. In Polen angekommen, wurden die Fahrzeuge in weniger als einer Stunde zerlegt. Als Werkstätten dienten umgebaute Scheunen. Die Einzelteile gingen umgehend zum Weiterverkauf an Hehler.

Unter den fünf Männern befindet sich auch der Chef der Bande. Er wurde am Mittwoch in Polen festgenommen. Ein weiterer Zugriff erfolgte in Whitby im Norden Englands. Bis dorthin hatten brandenburgische Zielfahnder einen Verdächtigen verfolgt.

Nicht ganz unbeteiligt an dem Erfolg der Polizei ist ein Mann, dem derzeit vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) der Prozess gemacht wird. Er soll gegenüber den Ermittlern umfangreiche Angaben gemacht haben.

Festgenommen wurde er im Januar nach einer Polizeikontrolle in Lieberose (Dahme-Spreewald). Die nächtliche Flucht des 100 Kilogramm schweren Täters endete in der Dunkelheit auf einem Baum. Sein Pech: Die Polizei beobachtete den Einsatz aus der Luft mit einer Wärmebildkamera.

In den vergangenen Jahren meldeten die Sicherheitsbehörden in Brandenburg immer wieder Erfolge gegen die Organisierte Kriminalität. Eine Ursache ist aus Sicht der Ermittler eine engere Zusammenarbeit zwischen den deutschen und polnischen Behörden. Sie hatten sich vor einigen Jahren erstmals zu einem Joint Investigation Team (JIT) zusammengeschlossen. Daran beteiligt sind die Polizei und die Staatsanwaltschaften beider Länder.

Die Erfolge haben auch unerwartete Konsequenzen. „Wir beobachten eine Verdrängung der Kriminalität“, sagt Oberstaatsanwalt Scherding. Autodiebe würden inzwischen häufiger andere Routen – beispielsweise über Mecklenburg-Vorpommern – für die Verbringung von gestohlenen Fahrzeugen nach Polen nutzen.

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