zur Navigation springen

Aids-Risiko unterschätzt : Scheu vor dem HIV-Test

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zwei Drittel der Infizierten leben ahnungslos mit dem Virus. Aids-Hilfe kritisiert zunehmende Sorglosigkeit

svz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Die Immunschwächekrankheit Aids hat in der Bevölkerung an Schrecken verloren. Die Aids-Hilfe in Potsdam registriert immer mehr Sorglosigkeit, wenn es um die Gefahr einer HIV-Infektion geht. Zwei Drittel der HIV-Infizierten lebt nach Aussage von Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) mit dem Virus, ohne es zu wissen.

„Es ist nicht schlimm, sich mit HIV zu infizieren“, sagt Guillaume Carpentier von der Aids-Hilfe in Potsdam. „Schlimm ist aber, nichts davon zu wissen und die Krankheit weiterzugeben.“ Der Aids-Aufklärer registriert eine immer größere Sorglosigkeit, obwohl die Beratungsgespräche zunehmen und der monatliche Testtag so stark nachgefragt ist, dass man über einen zweiten nachdenkt. Genau hier aber liegt das Problem: „Die Menschen lassen sich erst testen, wenn erste Symptome auftreten“, kritisiert er. Dann sei es zwar nicht zu spät, eine Therapie zu beginnen, aber möglicherweise sind durch die Verzögerung bereits andere infiziert. In Brandenburg wussten Ende 2014 nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) über die Hälfte der 420 an HIV und Aids erkrankten Menschen noch nichts von ihrer Infektion – deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. „Diese große Zahl der bisher unerkannten Erkrankungen muss Anlass zur Sorge sein“, stellt Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages fest und ruft Frauen wie Männer dazu auf, „bei einem unsicheren Gefühl – etwa nach ungeschütztem Sex – unbedingt einen HIV-Test machen zu lassen“. Der ist im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie Berlin kostenlos – und vor allem anonym. Obwohl die Nachfrage nach den Tests bei Gesundheitsämtern und freien Trägern langsam steigt, scheuen ihn viele aus Angst vor einem positiven Ergebnis. Auch deshalb stellt das Land jährlich 173 000 Euro für die Aufklärung bereit. „Aids-Prävention bleibt ein wichtiges gesellschaftliches Thema, denn auch in Zukunft muss im Bewusstsein verankert bleiben, dass Aids noch immer nicht heilbar ist“, betont Finanzminister Christian Görke (Linke). Dabei konzentrieren sich die Beratungsstellen nicht allein auf die Gefängnisse im Land, wo nach Aussagen von Justizminister Helmuth Markov (Linke) Menschen in Haft und insbesondere Drogenkonsumenten einem besonders hohen HIV-Risiko ausgesetzt seien. Auch der Flüchtlingszustrom nach Brandenburg verlangt nach neuen Strategien. Die Aids-Hilfe in Potsdam hat damit begonnen, Angestellte in Flüchtlingsunterkünften zu schulen und auch Asylbewerber selbst über die Gefahren aufzuklären. „Bei der Erstuntersuchung ist ein HIV-Test kein Thema, weil laut Weltgesundheitsorganisation WHO keine Person unfreiwillig einem solchen Test unterzogen werden darf“, erklärt Guillaume Carpentier. Allerdings warnt der Aids-Berater vor Panikmache. Die Gefahr, dass aus Syrien oder dem Irak infizierte Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sei im Vergleich zu afrikanischen Ländern sehr gering. Und er verweist auf eine Studie aus dem vergangenen Jahr, nach der sich 42 Prozent HIV-positiver Migranten in Deutschland und nicht in ihrer Heimat infiziert hätten.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen