Prozess: : Samuraischwert zur „Verteidigung“

samurai

Zwei Frauen soll er brutal attackiert haben. Außerdem habe er versucht, einem Mann mit einem Samuraischwert einen kräftigen Hieb auf die Hand zu versetzen.

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10. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Zwei Frauen soll er brutal attackiert haben. Außerdem habe er versucht, einem Mann mit einem Samuraischwert einen kräftigen Hieb auf die Hand zu versetzen. So lautet der Vorwurf gegen Patrick A., der vor dem Landgericht Neuruppin auf der Anklagebank sitzt. Er soll aber bei den Taten schuldunfähig gewesen sein – vollgepumpt mit Alkohol und Drogen.

Gestern begann nun der Prozess – mit einem Teilgeständnis. A. sagte aus, dass er in der Nacht zum 3. Mai seine damalige Lebensgefährtin Ramona S. durchaus weggedrückt habe, weil sie, wie er sagte, „ausgerastet“ sei. Die drei vorgeworfenen Backpfeifen stritt er ab. Auch die Nachbarin Doreen K. habe er gedrückt, aber niemals gewürgt, wie die Anklage behauptet. K. dagegen habe ihm das Gesicht und die Arme zerkratzt.

Ein Samurai-Schwert benutzte er sehr wohl – allerdings nur, um sich zu verteidigen. „Sie haben immer Steine ans Fenster geworfen, es hat so geknallt“, erzählte A. von einer Gruppe von drei Männern, die draußen vorm Balkon standen. Zuvor hatte er noch mit ihnen gefeiert, was aber im Streit geendet sei. Er sei wegen der Steinwürfe sehr erschrocken gewesen und habe sich das Samurai-Schwert seiner Freundin Ramona S. geschnappt, sei raus auf den Balkon des Erdgeschosses gegangen und habe einmal kräftig mit der Klinge auf die Brüstung geschlagen, „damit sie es sein lassen“. Eine tiefe Scharte blieb zurück. Doch dass ein Dennis R. die Hand auf der Brüstung hatte und sie nur durch schnelles Zurückziehen rettete – davon sagte A. nichts.

Dagegen hätte die Gruppe „nicht aufgehört“. Als jemand die Polizei rief und die Beamten ihn sofort abführten, habe er Angst um seine Freundin gehabt.

Ramona S. bestätigte, dass A. sie dreimal geschlagen hat – allerdings erst, als ihr der Vorsitzende Richter Gert Wegner die Polizeiprotokolle vorlas. Im Gerichtssaal wurde deutlich, dass S. den Angeklagten schützen wollte – nicht nur indem sie dessen Schläge anfangs leugnete. „Drei Ohrfeigen verpasst und festgehalten hat er mich aus gutem Grund“, sagte S. später. Denn der in ihren Augen böse Mann war eher Andy R. Dieser brachte eine Bohrmaschine vorbei, nutzte den Besuch aber, um seine Männlichkeit zu entblößen und damit zu prahlen, dass auch er mit ihr geschlafen habe.

Diese „Respektlosigkeit gegenüber einer Frau“ habe sie so aufgebracht, dass sie auf Andy R. losgehen wollte, so Ramona S. „Für mich hätte das gefährlich werden können“, fügte sie hinzu. Die Schläge von A. hätten ihr zufolge also Schlimmeres verhindert.

Kennen gelernt hatte sich das Paar in der Psychiatrie. A. hatte vor einigen Jahren unter Drogen eine schwere räuberische Erpressung begangen und war unter anderem deshalb dort, Ramona S. wegen diverser psychischer Störungen und ebenfalls Drogensucht. Sie machte auch vor Gericht einen hysterischen Eindruck bei ihren zum Teil äußerst emotional vorgetragenen Aussagen: darunter der Vorwurf, dass ihr derzeit von ihr getrennt lebender Mann sie sexuell missbraucht hätte, was die Behörden aber nie aufgeklärt haben beziehungsweise in ihren Augen nicht aufklären wollten.

Der Ehemann von S., der Augenzeuge der Attacke gegen seine jetzige Freundin Doreen K. gewesen sein soll, ließ sich trotz Vorladung vor Gericht nicht blicken. Auch die Zeugin K. fehlte ebenso wie Andy R. „Wir kennen es leider aus anderen Verfahren, dass kollektiv beschlossen wird, nicht zum Gericht zu gehen“, stellte Wegner gefasst fest. Gegen das Trio wurde ein empfindliches Ordnungsgeld verhängt – wahlweise vier Tage Haft. Fortgesetzt wird der Prozess nun am kommendenDienstag. Dann könne es nach den erhofften Zeugenaussagen auch zu einem Urteil kommen.

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