Ganz volksnah : Rosen pflanzen bei 35 Grad

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Brandenburgs Ministerpräsident hat gestern im Rahmen einer Tourismusfahrt die Havel-Buga gegen Kritik verteidigt.

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08. August 2015, 08:00 Uhr

Brandenburgs Ministerpräsident hat gestern im Rahmen einer Tourismusfahrt die Havel-Buga gegen Kritik verteidigt. Auch wenn er sich mehr Besucher erhofft habe, sei die Gartenschau schon jetzt ein Erfolg für die Region. So machten Dietmar Woidke (SPD) und Brandenburgs Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann auch keinen keinen Hehl daraus, dass es nicht das ideale Wetter für einen Rundgang ist. „Immerhin besser als Regen“, versucht die CDU-Politikerin erschöpfte Besucher am Wegesrand zu trösten, während es auch ihr angesichts von 35 Grad im Schatten schwerfällt, mit Witz und Energie für die Ausstellungshöhepunkte zu werben. Woidke springt ihr bei: „Schauen Sie mal auf das Wetter. Das ist ein Grund, warum die Buga weniger Besucher hat, als erwartet.“

Ganz offiziell begrüßt werden konnte von beiden Politikern jedoch der 750  000. Gast – ein zehn Jahre altes Mädchen aus Berlin. Die Planungen sahen vor, dass diese Zahl bereits Mitte Juli erreicht wird. Woidkes Programm besteht gestern vor allem darin, auf möglichst viele Besucher zuzugehen, sie nach Herkunft und Ziel der Reise zu befragen und dann von der unberührten Natur im Havelland zu schwärmen. Mit zwei Familien aus dem Breisgau beziehungsweise aus Hannover werden im Schatten eines Kastanienbaums längere Gespräche daraus, die den offiziellen Zeitplan ins Wanken bringen. Auch auf einer kurzen Schifffahrt zwischen den Ausstellungsbereichen wird anschließend über dies und das geplaudert, etwa die richtige Kleiderordnung für offizielle Termine bei tropischen Temperaturen, aber kaum über die Bundesgartenschau. Bis Dietlind Tiemann beim Verlassen der Fähre enttäuscht feststellt, dass sie gar nicht dazu gekommen ist, dem Ministerpräsidenten die Attraktionen am Ufer zu zeigen.

Vielleicht liegt es nicht nur an der Hitze, dass Woidke und Tiemann trotz vieler gemeinsamer Fotos in den zwei Stunden nicht so recht zueinander finden. Das Klima ist wegen des Streits um die Kreisreform derzeit eher frostig. Der Regierungschef will Brandenburg die Kreisfreiheit entziehen, die Oberbürgermeisterin den Status quo bewahren. Als die beiden auf dem Marienberg schließlich gemeinsam eine Rose pflanzen, die „die Einheit zwischen dem Land und der Stadt Brandenburg“ besiegeln soll, witzelt Ralf Holzschuher, SPD-Landtagsabgeordneter aus der Havelstadt: „Diese Rose möchte ich mir nachher nochmal ganz genau ansehen.“

Einig ist man sich, dass die Buga unabhängig von den Zahlen am Ende „eine bislang unterschätzte Region in ganz Deutschland bekannter und beliebter“ gemacht habe (Woidke), und dass die Idee mit den fünf Standorten aufgegangen sei (Tiemann). „Was wir jetzt investiert haben, war für die Städte in Sachen Marketing ein Vorschuss für die nächsten Jahre“, ergänzt sie.

Wie es mit dem aufwendig gestalteten Gelände auf dem Brandenburger Marienberg 2016 weitergeht, kann die Oberbürgermeisterin auf Nachfrage nicht genau sagen. Als Park soll er den Bürgern zur Verfügung stehen, aber wer ihn mit welchen Geldern bewirtschaftet, ist unklar, ebenso ob nach der Buga dort weiter Eintritt erhoben wird.

Einfacher hat es die Stadt da mit dem Packhof-Gelände im Zentrum. Sämtliches Ausstellungsmobiliar dort verschwindet und wird von einem Komplex aus einem Hotel und Wohnungen ersetzt.

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