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übergreifendes Fach „Gesellschaftswissenschaften“ : Revolution der Geschichtslehrer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die bislang 400 Unterzeichner befürchten, dass durch die Pläne historisch notwendiges Wissen auf der Strecke bleibt.

svz.de von
erstellt am 29.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Mit einer Online-Petition wollen Lehrer, Eltern, Schüler und Uni-Professoren den Entwurf des Rahmenlehrplans Geschichte für Brandenburg und Berlin kippen. Die bislang 400 Unterzeichner befürchten, dass durch die Pläne historisch notwendiges Wissen auf der Strecke bleibt. „Das Konzept ist geheim vorbereitet und wir sowie die Fachlehrer sind nicht einbezogen worden“, kritisiert Günter Kolende, Vorsitzender des Verbands der Geschichtslehrer.

Der neue Rahmenplan sieht ab dem Schuljahr 2015/16 unter anderem vor, dass die Fächer Politische Bildung, Geographie und Geschichte in einem neuen, übergreifenden Fach „Gesellschaftswissenschaften“ vermittelt werden sollen. So kann das neue Fach auch fachfremd unterrichtet werden. Selbst Eltern sehen voraus, dass die Geschichte dabei zu kurz kommt. „Es gibt jetzt schon in der 6. Klasse nur eine Wochenstunde, und davon fällt noch viel aus“, sagt Unterzeichnerin Birgit Peylo, deren Sohn Malte die Grundschule Bad Saarow besucht.

Kritisiert wird darüber hinaus, dass in den Klassen 7 und 8 Geschichte nur noch nach Längsschnitten und nicht mehr chronologisch unterrichtet werden soll. Die Beurteilung der Gegenwart sei so kaum möglich. Von zwölf Themen müssten nur vier abgearbeitet werden.


Durch Petition Korrekturen erzwingen


„Das führt zu weiteren weißen Flecken im Geschichtsverständnis“, warnen die Unterzeichner. Ganze Themenfelder würden wegfallen, sagt Kolende. „Da kann es passieren, dass ein Schüler bis zu seinem Abitur noch nie etwas von der Französischen Revolution gehört hat.“ Die schon bis November 2014 über 850 Quereinsteiger für alle Schulformen hätten bereits die Tendenz und das Problem der Entprofessionalisierung des Unterrichts an Brandenburger Schulen verdeutlicht. Initiator der Aktion ist der Berliner „Lehrer des Jahres 2013“, Robert Rauh.

Ende März, wenn das Anhörungsverfahren zum Entwurf des Rahmenlehrplans endet, wolle man die Petition Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) sowie der Berliner Bildungssenatorin übergeben – in der Hoffnung, damit Korrekturen zu erzwingen. In Potsdam ist die Kritik des Geschichtslehrerverbandes nicht neu. „Alle Äußerungen, Kritiken und Vorschläge werden anschließend geprüft. Das gilt natürlich auch für Geschichte, Erdkunde und politische Bildung – die Gesellschaftswissenschaften“, erklärt Florian Engels, Sprecher des Bildungsministeriums. Das neue Unterrichtsfach könne, betont er, sehr wohl in den letzten beiden Jahren der Grundschule fächerübergreifend Kompetenzen vermitteln.

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