neun Verdächtige ermittelt : Rechte Schläger attackieren Syrer

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Eine Gruppe von Rechtsextremisten hat in Frankfurt (Oder) fünf syrische Asylbewerber angegriffen und verletzt. Der Vorfall ereignete sich bereits am Sonnabend, wurde aber von Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen erst gestern publik gemacht.

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24. März 2015, 22:00 Uhr

Eine Gruppe von Rechtsextremisten hat in Frankfurt (Oder) fünf syrische Asylbewerber angegriffen und verletzt. Der Vorfall ereignete sich bereits am vergangenen Sonnabend, wurde aber von Polizei und Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen erst gestern publik gemacht.

Insgesamt neun Verdächtige hat die Polizei bislang ermittelt. Gegen drei von ihnen ergingen Haftbefehle. Wie Ulrich Scherding, Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft, mitteilte, nahm die Tat am späten Freitagabend in einer Shisha-Bar im Stadtteil Neuberesinchen ihren Anfang. Eine Gruppe von Deutschen habe dort syrische Gäste mit Rufen wie „Sieg Heil“ und „Scheiß Asylanten“ beleidigt.

Als die Syrer schließlich gegen Mitternacht den Heimweg antraten, sollen ihnen die Männer hinterhergerufen haben: „Wir kriegen euch.“ Tatsächlich verfolgten sie die fünf Männer zwischen 19 und 35 Jahren offenbar gezielt auf deren Weg zur Unterkunft in der früheren Oderland-Kaserne und griffen sie schließlich gegen 2 Uhr in der August-Bebel-Straße mit Schlägen und Tritten an. Nach derzeitigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war dabei auch eine Eisenstange mit im Spiel.

Zwei Männer wurden bei den Attacken schwerer verletzt, einer musste mit Prellungen und Schürfwunden ins Krankenhaus, konnte inzwischen aber wieder entlassen werden. Dass die Ermittler den Angreifern schnell auf die Spur kamen, ist laut Scherding einem aufmerksamen Bürger zu verdanken, der wegen der Geräusche vor seinem Haus die Polizei gerufen habe. „Das war wichtig, sonst wäre es schwierig geworden, die Verdächtigen schnell zu ermitteln“, hob er hervor.

So sei es auch gelungen, sofort eine Verbindung zu den Ereignissen in der Bar herzustellen und am Wochenende Zeugen zu vernehmen. Am Montag konnte schließlich ein dritter Hauptverdächtiger dem Haftrichter vorgeführt werden. Diese Abläufe führt Scherding als Grund dafür an, dass die Öffentlichkeit erst gestern, drei Tage nach dem Übergriff informiert wurde: „Wir wollten von den zahlreichen Beschuldigten authentische Aussagen. Sie sollten nicht die Gelegenheit haben, zu behaupten, sie hätten ihr Wissen über die Taten aus der Zeitung.“ Die Haftbefehle gegen die 19 und 20 Jahre alten drei Hauptverdächtigen ergingen wegen Wiederholungsgefahr. Bei ihnen soll es sich um polizeibekannte und vorbestrafte Rechtsradikale handeln.

Thomas Klähn von der Initiative „Vielfalt statt Einfalt in Frankfurt (Oder)“ hat sich nach eigenen Angaben um Kontakt zu den Opfern bemüht. „Sie sind sehr verängstigt, wollen erst mal mit niemand reden“, berichtet er.

Für Janek Lassau vom Verein „Utopia“ kommt die Tat nicht von ungefähr. „Sie ist Resultat von politischer Stimmungsmache, von Hetze, die seit dem vergangenen Sommer etwa von der Gruppierung ‚Frankfurt wehrt sich’ betrieben wird.“ Es sei nicht verwunderlich, dass rechte Schläger die dortige Polemik gegen Ausländer als Handlungsempfehlung verstehen. „Nach diesem schweren rassistischen Übergriff ist die Zivilgesellschaft gefragt. Jeder Bürger sollte sich für eine Willkommenskultur einsetzen“, sagte Lassau.

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