83-Jähriger am Telefon Bestellung aufgeschwatzt : Prozess nach Weingeschäft

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Ein Weinhändler soll eine Weinlieferung wieder abholen, die einer Rentnerin in Neubrandenburg 2012 gegen deren Willen gebracht wurde.

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12. März 2015, 22:00 Uhr

Ein Weinhändler soll eine Weinlieferung wieder abholen, die einer Rentnerin in Neubrandenburg 2012 gegen deren Willen gebracht wurde. „Ich kann Ihnen das nur nahelegen, dann wäre der Fall erledigt“, sagte Richterin Petra Hoeveler gestern bei einem Zivilprozess vor dem Amtsgericht Neubrandenburg zur Anwältin des Geschäftsmannes. „Dieses Geschäftsgebaren mutet sehr merkwürdig an.“ Der Händler aus Neuenhagen bei Berlin war wegen einer Krankschreibung nicht gekommen, obwohl das Gericht persönliches Erscheinen angeordnet hatte. Eine Entscheidung soll am 17. April verkündet werden.

Die 83-Jährige erklärte vor Gericht, sie könne sich an eine Telefon-Bestellung im Dezember 2012 gar nicht erinnern. Sie habe sonst nur gelegentlich sechs Flaschen bei einem guten Bekannten bestellt. „Ich trinke selbst keinen Wein, das war nur für Feiern gedacht.“ Ihr Anwalt Torsten Gorka warf dem Händler vor, „auf unseriöse Weise das Alter der Mandantin ausgenutzt zu haben und sittenwidrig vorgegangen zu sein“.

Der Händler und ein Bekannter hatten der Frau drei Tage nach dem angeblichen Telefongespräch zwölf Flaschen Wein für 300 Euro gebracht. Gorka erklärte, die Männer hätten die 83-Jährige im Glauben gelassen, dass ihr alter Bekannter am Telefon wäre. „Die kamen dann zu zweit, ich hatte Angst“, sagte die Frau. Auf ihre Frage nach dem Preis für den Weinkarton sei gar nichts gesagt worden, sie habe auch nichts unterschrieben. Sonst kaufe sie höchstens Wein für acht bis zehn Euro die Flasche.


Ordnunsggeld droht


Der Karton bis heute unangetastet bei ihr. „Wir dachten, dass der Händler das nach dem Widerspruch bald abholt“, erklärte ihre Tochter. Der Mann schaltete stattdessen Ende 2014 das Gericht ein, um an die 300 Euro zu kommen. Anwalt Gorka, der in Neuenhagen wohnt, bot an, den Weinkarton mitzunehmen und beim Händler persönlich abzuliefern.

Dem stimmte die Anwältin des Händlers nach telefonischer Rücksprache aber nicht zu, sie bestand auf einer Gerichtsentscheidung. Die Richterin will nun auch prüfen, ob dem Weinhändler ein Ordnungsgeld von 100 bis 150 Euro auferlegt wird: „Wenn man krankgeschrieben ist, muss man trotzdem vor Gericht erscheinen.“

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