Brandenburg : Präsente unter dem Hammer

Schmuckstück: Die kleine Schatulle hat Koreas ehemalige Premierministerin im vergangenen Dezember mitgebracht.
Schmuckstück: Die kleine Schatulle hat Koreas ehemalige Premierministerin im vergangenen Dezember mitgebracht.

Swarovski-Schwan, Teeservice, Seiffener Spieluhr, Schatulle: Staatskanzlei versteigert beim Bürgerfest Geschenke an die Landesväter

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23. September 2015, 17:49 Uhr

Wenn Brandenburgs Ministerpräsident auf Reisen geht oder selbst Gäste empfängt, wird er in der Regel mit einem Geschenk bedacht. Eine nette Geste vom Schenkenden, die leider einen Haken hat. Denn der Regierungschef darf kein Präsent persönlich behalten. So ist es Vorschrift. Und die wird unter anderem damit begründet, dass „Landesbeschäftigte, die Geschenke oder sonstige Vorteile annehmen, das Ansehen des gesamten öffentlichen Dienstes herabsetzen“.

Also muss der Ministerpräsident jedes Präsent in der Potsdamer Staatskanzlei abgeben, egal ob groß oder klein, schwer oder leicht, wertvoll oder eher nicht.

Im Laufe der vergangenen 25 Jahre sind Hunderte Andenken im Keller der Staatskanzlei gelandet. Um Platz zu schaffen, wird regelmäßig „ausgemistet“. Dabei geht das Land einen bundesweit einzigartigen Weg. Denn die Geschenke werden weder verkauft noch vernichtet. Nein: Sie werden versteigert. Zum Bürgerfest an diesem Sonnabend steht die dritte Versteigerungsaktion an.

90 Posten listet der Auktionskatalog auf. So können Bieter etwa einen Swarovski-Schwan, ein sechsteiliges Teeservice mit Lotusmuster aus Vietnam oder eine Seiffener Spieluhr ersteigern. Die Mindestgebote sollen im einstelligen Bereich liegen, kündigt Staatskanzlei-Protokollchef Oliver Schmidt an.

„Unser Interesse ist, dass jedermann die Möglichkeit hat mitzubieten“, sagt er. Zudem gehe es nicht darum, besonders viel Geld zu erzielen, „sondern um den Spaß an der Sache“. Dennoch darf einiges zusammenkommen, der Erlös soll einem guten Zweck gewidmet werden und an die Katja-Ebstein-Stiftung gehen, die Projekte zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland fördert.

Schmidt ist sich sicher, dass alle 90 Gegenstände an den Mann gebracht werden können. Den Auftakt wird eine große Bleikristallvase aus Böhmen machen. Das gute Stück steht schon 15 Jahre im Staatskanzlei-Keller. Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe hatte es im Januar 2000 von einer Delegation aus der Slowakei geschenkt bekommen. Eine andere Aufmerksamkeit für Stolpe hingegen soll die Staatskanzlei vorerst nicht verlassen, weil sie einen gewissen ideellen Wert hat, wie Schmidt erklärt. Es handelt sich um ein Porträt des früheren Regierungschefs, das ein Brandenburger Häftling einst gemalt hat. Als Vorlage diente ihm dabei eine Autogrammkarte des heute 79-Jährigen.

Ebenfalls nicht unter den Hammer kommen Geschenke, die der derzeitige Ministerpräsident Dietmar Woidke in seiner Amtszeit bekam. Man wolle den Schenkenden nicht vor den Kopf stoßen, sagt Oliver Schmidt. Das wäre unanständig, solange Woidke im Amt ist.

Präsente, die sein Vorgänger Matthias Platzeck erhielt und in die Staatskanzlei gebracht hat, finden sich im Auktionskatalog. So ein Schal von Hugo Boss, den Berlinale-Chef Dieter Kosslick den Ehrengästen der Berliner Filmfestspiele 2012 überreichte.  

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