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Israel war das Partnerland des Mode-Events: : Potsdam Now – ein Fall von Liebe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Eigentlich hat sie immer einen weiten Bogen um Deutschland gemacht. Sie wollte mit den Deutschen nie etwas zu tun haben. Zu schwer wiegen die Erinnerungen, die die Familie von Efrat Kalig mit Nazideutschland machen musste.

Eigentlich hat sie immer einen weiten Bogen um Deutschland gemacht. Sie wollte mit den Deutschen nie etwas zu tun haben. Zu schwer wiegen die Erinnerungen, die die Familie von Efrat Kalig mit Nazideutschland machen musste. Im Holocaust wurden sehr viele ihrer Angehörigen deportiert und in Konzentrationslagern umgebracht. Für die erste Ausgabe des Mode-Events „Potsdam Now“ machte die renommierte israelische Modemacherin Efrat Kalig, die schon für Dior und Jean-Paul Gaultier arbeitete, eine Ausnahme.

Zusammen mit ihr kamen zur allerersten Auflage der „Potsdam Now“ viele ihrer Landsleute. Israel war das Partnerland des Mode-Events. Neben ihr zeigten auch Shani Zimmerman, Zion Anava und Frau Blau in der Schinkelhalle ihre aktuellen Kollektionen. Natürlich konnte bei diesem Starensemble israelischer Designer nicht der Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, fehlen. Er kam mit seiner Frau. „Es gibt die Wahrnehmung in Deutschland und ganz Europa, dass sich Israel nur mit Konflikten und Terror beschäftigt. Das stimmt zwar. Daneben gibt es vor allem in Tel Aviv und Jerusalem eine junge, hippe und kreative Szene.“ Deshalb sei die Schau genau das richtige Schaufenster, um ein anderes Bild von Israel in Deutschland zu zeigen, betonte er.

Diese Rechnung ging voll auf. Potsdam wurde zum Nabel der Modewelt - zumindest der israelischen. Laute Beats schallen aus den Boxen. Models ziehen ihre Bahnen über den blütenweißen Catwalk.

Shani Zimmerman, die in Israel sehr angesagt ist, schickte als Erste ihre Kreationen über den Laufsteg: Es ist sehr alltagstaugliche Mode. Sie kombiniert weit geschnittene Hosen mit schulterfreien Oberteilen. Pastellfarben stehen dabei hoch im Kurs. Sie zaubert am Ende elegante Kleider auf den Catwalk, die sehr raffiniert gestaltet sind. Die aus dem „Polizeiruf 110“ einem breiten Publikum bekannte Schauspielerin Isabell Gerschke war hin und weg: „Das eine könnte ich mir sehr gut als Hochzeitskleid vorstellen.“ Auf die Frage, ob sie etwa vorhätte, in den Stand der Ehe zu treten, brach sie in schallendes Gelächter aus. „Das werde ich jetzt bestimmt nicht verraten.“

Danach präsentierte Zion Anava. „Ich war vielleicht aufgeregt. Mir war zeitweise richtig schecht“, berichtete Anava. „Das war meine erste Catwalk-Show überhaupt. Ich bin so happy, wie ich hier aufgenommen wurde“, sagte er. Er zeigte aufwendige Kleider genauso, wie das kleine Weiße. Dabei wirkte Anavas Show, als wenn er schon ein alter Hase wäre. „Wir hatten hier einen hervorragenden Choreografen. Wenn man mich lässt, würde ich immer wieder nach Potsdam kommen“, sagte Anava.

Und dann war „Frau Blau“ dran. Das Modelabel aus Tel Aviv von Designer Philip Blau und seiner Ehefrau Helena Blaunstein setzt auf eher schrille Kreationen. „Wir wollen mit Frau Blau Farbe in die Straßen von Israel bringen“, erklärte Blau. Viele Israelis würden nicht sehr großen Wert auf außergewöhnliche Kleidung legen. „T-Shirt, Jeans und Turnschuhe, das war's“, sagt Blau. Er selbst lebt den kreativen Punk, zeigt dies durch seine Hahnenkammfrisur und den deutschen Namen seines Labels. „Zum einen ist das eine Hommage an deutsches Design. Zum anderen ist der Name in Israel im Sinne des Punks Provokation. Ich finde das eine gelungene Mischung.“ Das Publikum quittierte dies auch mit Beifallsovationen. Auf eine Verkaufsshow in Berlin gingen einen Tag später viele seiner Kreationen über den Ladentisch.

Und dann war Efrat Kalig an der Reihe. Sie hat in Mailand, Miami und in Paris ihre Kollektionen gezeigt. „Hier in Potsdam zittern mir ein wenig die Knie“, gab sie zu. Es ist vermutlich der historische Background. „Ich kann doch nicht meine Kleider, die wie meine Babys sind, in Deutschland präsentieren.“ Karl-Rainer von der Ahé, Organisator der „Potsdam Now“, konnte die Grande Dame der israelischen Modewelt dann doch überzeugen. „Ich konnte Karls Worten dann doch nicht widerstehen“, erklärte sie. Nach der Show zeigte sich Efrat Kalig regelrecht euphorisch: „Es ist so großartig hier. Ich habe sehr viele weltoffene und herzliche Menschen getroffen, die sich für mich und meine Mode interessieren. Ich habe mich hier förmlich in die Potsdamer und die Deutschen verliebt.“

Von der Àhe zeigte sich hochzufrieden. „Die ersten Auflage der dreitägigen Mode-Events war ein Erfolg. Der Publikumszuspruch kann sich wirklich sehen lassen. Wir hatten pro Show 500 Gäste. Die Designer haben sich in Potsdam sehr wohl gefühlt. Darauf können wir aufbauen“, sagte er. Ab Montag will mit den Planungen für die Sommer-Auflage der „Potsdam Now“ beginnen. Dann schwebt ihm vor auch, das Orangerie-Schloss mit in die Show mit einzubeziehen.

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