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Länderübergreifende Zusammenarbeit : Polizist von jenseits der Grenze

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Pole Krzysztof Krawczyk ist einer von fast 60 Ausländern bei den Brandenburger Ordnungshütern

svz.de von
erstellt am 22.Mai.2015 | 16:50 Uhr

Rein äußerlich deutet außer dem Namensschild an seiner Brust nichts auf seinen polnischen Hintergrund hin. Im Gegenteil: Mit seiner wie angegossen sitzenden Uniform, seiner sportlichen Figur und der Glatze, die er sich „nur deshalb zugelegt hat, weil die Haare wegen des Mützentragens nicht mehr so sprießen“, wirkt Krzysztof Krawczyk wie ein besonders vorbildlicher deutscher Polizist. Aufgrund der Glatze hätten ihn einige Rechte in der Freizeit sogar schon als „Kameraden“ gegrüßt, erzählt er.

Dabei gehört er zu den mittlerweile fast 60 Brandenburger Polizeibeamten, die nicht aus Deutschland stammen. „Geboren bin ich 1976 in Danzig, und mein Abitur habe ich in Kielce gemacht, einer Stadt zwischen Warschau und Krakau“, berichtet der Pole. Und auch, dass es schon sein Kindheitstraum gewesen sei, einmal Polizist oder Feuerwehrmann zu werden. Dass ihn die Zustände bei der polnischen Polizei in den 1990er-Jahren noch allzu sehr an die sozialistische Vergangenheit erinnerten, habe aber dazu geführt, dass er sich für ein Studium an der Europa-Universität in Frankfurt entschied.

Sein Jugendtraum sollte sich dennoch erfüllen. „Ich brauchte nur 20 Sekunden Bedenkzeit“, berichtet er über den Tag im Jahr 1997, als Leute von der Polizei an der Uni Werbung für ausländische Mitarbeiter machten. „Ich brach mein Studium ab und saß schon ein paar Monate später auf der Polizeischule, zusammen mit Türken, Russen, einem Rumänen und natürlich Brandenburgern“, erinnert er sich. Nicht einmal die deutsche Staatsbürgerschaft musste er annehmen, um verbeamtet zu werden, es reichte, dass er aus einem Land stammte, das damals bereits über die EU-Mitgliedschaft verhandelte.

„Die deutsche Staatsbürgerschaft habe ich später eher aus Bequemlichkeit beantragt“, verrät er. Zum einen hätten ihn die ständige Verlängerung der Aufenthaltsberechtigung und andere Behördengänge genervt, zum andern sei man „als Pole bei deutschen Banken nur bedingt kreditwürdig“.

Heute arbeitet Krawczyk bei der Fahrradstreife der Frankfurter Polizei und seine Frau Agnieszka, die schon mit vier Jahren mit der Familie aus Polen in die DDR gezogen war, im Haus gegenüber bei der Kripo. Dass Leute wie sie gebraucht werden, liegt auf der Hand: Im Kampf gegen osteuropäische Kriminelle ist es hilfreich, wenn man deren Sprache versteht.

Mit seinen deutschen Kollegen habe er sich von Anfang an gut verstanden, sagt der Beamte. „Nur ganz am Anfang haben sie noch etwas argwöhnisch beobachtet, ob ich nicht vielleicht mit den polnischen Tatverdächtigen mauschele“, berichtet er schmunzelnd. Dabei seien bei Einsätzen die tollsten Dinge passiert. „Bei einer Fahrzeugkontrolle sagte einmal ein Mann auf Polnisch zum Beifahrer: ,Zum Glück haben sie nicht unter den Fahrersitz geschaut.‘ Natürlich war meine Hand sofort darunter: Und tatsächlich war dort eine Pistole versteckt.“

Doch Krawczyk berichtet auch, dass ihn einige seiner Landsleute schon mal als „Verräter“ bezeichnet hätten. Dieser Vorwurf treffe ihn aber nicht: „Ein Autodieb ist für mich ein Autodieb, egal, welcher Nationalität er angehört.“

Zwar wurme es ihn etwas, dass die Straftäter von vielen Deutschen pauschal als „Polen“ bezeichnet werden, auch wenn sie aus Litauen, Weißrussland oder noch östlicheren Ländern kommen. „Dass in viele Fällen Polen ihre Hände im Spiel haben, wenn Dinge über die Grenze gebracht werden, kann man aber nicht abstreiten.“

Weil der Beamte längst mit den Mentalitäten in beiden Ländern vertraut ist, sind einige seiner Ansichten über scheinbar komplizierte Dinge von entwaffnender Nüchternheit. Zum Beispiel, wenn es um die Rolle der Deutschen im Zweiten Weltkrieg geht: „Glauben Sie mir, da macht man in Polen nicht mehr so ein Trara darum.“

Andererseits kann er von polnischen Vorurteilen berichten: „Wissen Sie, warum polnische Diebe so viele Autos in Deutschland stehlen, obwohl die gleichen Modelle in Polen fahren? Weil viele glauben, dass die Deutschen so gut versichert sind, dass sie gleich ein neues Auto bekommen. Einige denken gar, dass sie ihnen damit einen Gefallen tun.“

Andererseits hält es Krawczyk für normal, dass sich an einer Grenze, an der das Einkommensgefälle noch immer so groß ist, auch kriminelle Elemente konzentrieren. Über die gemischten Streifen, mit denen er bis zu vier Mal im Monat mit Kollegen aus Slubice unterwegs ist, kann er interessante Dinge berichten.

„Die polnischen Kollegen verdienen genauso viel wie ich. Nur mit dem Unterschied, dass ich 2500 Euro bekomme und sie 2500 Zloty.“ Zwar seien auch die Fixkosten, die man im Nachbarland habe, niedriger als in Deutschland. „Dieser Unterschied in der Bezahlung ist aber auch ein Grund dafür, weshalb kein Deutscher auf die Idee kommen würde, sich bei der polnischen Polizei zu bewerben“, sagt Krawczyk.

 

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