zur Navigation springen

Im Dienst : Polizist verteilt illegal Privatpost

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bürger sind empört über die private Tätigkeit mit dem Streifenwagen.

Die Besatzung eines Streifenwagens der Polizei hat in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) am vergangenen Montag private Post zugestellt. Wie die zuständige Direktion bestätigt, hätten Beamte in der Dienstzeit Briefe an Mitglieder einer Gartensparte zugestellt. Dabei handelte es sich um die Betriebskostenabrechnung der Sparte „Lawitzer Aue“.

Als Montagmorgen ein Einsatzfahrzeug des Polizeireviers Eisenhüttenstadt vor dem Hochhaus in der Rosenstraße hält und ihm zwei Beamte entsteigen, steht Heidemarie Siems gerade am Fenster – und wundert sich. Kurz darauf klingelt es, und einer der Polizisten meldet sich über die Türsprechanlage mit der Bitte um Einlass – er habe einen Brief.

Sie drückt den Türöffner und nimmt an, dass der Uniformierte die Post in den Briefkasten steckt. Doch kurz darauf steht der Polizist in der zehnten Etage vor ihrer Tür und hält ihr den Umschlag vor die Nase. Der Polizist überreicht ihr die aktuelle Betriebskostenabrechnung der Gartensparte „Lawitzer Aue“.

Von drei Briefen spricht die Polizeidirektion auf Nachfrage, Heidemarie Siems weiß von Parzellennachbarn, dass es mehr gewesen sind, die im Stadtgebiet von Eisenhüttenstadt verteilt wurden.

„Alle Welt redet über die Folgen der Polizeireform, über weniger Personal und die Schließung von Wachen. Jede Nacht verschwinden Autos aus Eisenhüttenstadt und die wenigen Streifenwagen, die noch in der Stadt zu sehen sind, fahren private Post aus“, schimpft ihr Ehemann Anton Siems. Beide haben einen privaten Garten und vermieten weitere in der Sparte „Lawitzer Aue“, wo es insgesamt noch etwa 60 Parzellen gibt, die dort noch bewirtschaftet werden. Zu den Gartennachbarn gehört auch einer der beiden Beamten, die am Montagmorgen die Betriebskostenabrechnung zustellen. Siegfried A. sei lange Jahre Vorsitzender des Vereins „Lawitzer Aue“ gewesen. In den Vorjahren wurde die Post jedoch auf üblichem Wege verschickt und nicht im Streifenwagen ausgefahren. „So etwas geht nicht“, findet Siems.

Bei der Polizei schätzt man den seltsamen Einsatz ähnlich ein. Die Polizeistreife sei in ihrem Bereich mit dienstlichen Aufgaben betraut gewesen – das Verteilen von Post habe nicht dazu gehört. „Dieses Handeln war nicht autorisiert und wird in der weiteren Folge eine intensive Auswertung nach sich ziehen“, sagt Sprecher Ingo Heese.

Jürgen Maresch, Landtagsabgeordneter der Linken, Polizeihauptkommissar a. D. und Experte in Sachen Polizeireform, fordert disziplinarische Konsequenzen. „Der Mann hat keine Post auszutragen, sondern seinen Aufgaben nachzugehen“, sagt Maresch.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen