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Christopher Street Day : Polizist gegen Uniform-Verbot

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Brandenburger Beamter nahm in Dienstkleidung am CSD teil. Das Ministerium hatte dies untersagt.

Andere bastelten schrille Kostüme, zeigten aufwendig geschminkte Körper – doch gut 80 Teilnehmer beim Christopher Street Day (CSD) legten ihre schlichte Dienstkleidung am Wochenende bewusst nicht ab. „Wir wollten ein öffentliches Zeichen setzen, dass die Polizei weltoffen und tolerant sind. Wir haben Werbung für unsere Behörden betrieben“, sagt Marco Klingberg, Vorsitzender des Landesverbands lesbischer und schwuler Polizisten in Deutschland. „Warum sollen wir dann die Uniformen ablegen?“

Der Potsdamer Kommissar hat sich zusammen mit einer Kollegin damit auch bewusst gegen eine Anweisung des Brandenburger Innenministeriums gestellt, die es den eigenen Beamten untersagte, in Uniform an der Parade teilzunehmen. Dies hatten die Länder Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg jedoch ausdrücklich erlaubt. „Ich fand diese Vorschrift absolut unmöglich, damit hat unser Dienstherr demonstriert, dass er den Sinn und Zweck des CSD nicht verstanden hat“, schimpft Klingberg, der somit bewusst eine Disziplinarstrafe in Kauf nimmt. Er hoffe, dass es zu einer Grundsatzentscheidung kommt.

Aber nicht alle 200 homosexuellen Gesetzeshüter aus rund 20 Staaten, die am Umzug teilnahmen und sich am Wochenende außerdem zu einer Tagung in der Berliner Urania trafen, wollten sich in ihren Uniform zeigen. Vor allem in Osteuropa würden den Kollegen erhebliche Konsequenzen drohen, wenn sie sich als Schwule oder Lesben outen. „Selbst Gefängnisstrafen können die Folge sein“, sagt Klingberg. Daher müsse man weltweit noch viel Überzeugungsarbeit leisten, um Vorurteile gegen gleichgeschlechtliche Lebensweisen abzubauen.

Auch in Deutschland gebe es nach wie vor Fälle von Mobbing in den Dienststellen, berichtet Klingberg. Zum ersten Mal in der Geschichte des CSD überhaupt durften Polizisten in Uniform mitlaufen – Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt hatte dies genehmigt.

Die Resonanz war rundum positiv, Zuschauer applaudierten den Polizisten, es gab unzählige Schulterklopfer, berichtet Klingberg. Ob ihm jetzt tatsächlich eine Strafe droht, war Anfang dieser Woche im Potsdamer Innenministerium nicht zu erfahren. Man werde sich zu gegebener Zeit äußern, sagte Sprecher Ingo Decker.

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