Verletzte Polizisten : Polizei wappnet sich bei Kontrollen

Die umfangreichen Kontrollen sorgten bei einigen Autofahrern für Erstaunen.
Die umfangreichen Kontrollen sorgten bei einigen Autofahrern für Erstaunen.

Nach einer Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und mutmaßlichen Autodieben folgt an derselben Stelle wieder eine große Kontrolle.

svz.de von
17. Juli 2014, 07:31 Uhr

Der kleine Autobahnparklatz bei Forst an der Grenze zu Polen platzt aus allen Nähten. Lastwagen reihen sich aneinander, die Parkplätze sind alle besetzt. Auf der Straße stehen Koffer, Getränke, sogar eine Matratze liegt herum. Viele ratlose Gesichter von Autofahrern.

„Was ist hier los, das habe ich noch nie erlebt“, sagt ein Mann auf Französisch. Rund 80 Polizisten prüfen am gestrigen Morgen Fahrzeugpapiere, Autos und Lastwagen – es ist eine groß angelegte Kontrolle gegen Autodiebstahl. An derselben Stelle hatte es unlängst eine wilde Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und drei mutmaßlichen Autodieben mit Verletzten gegeben. Bei der jetzigen Kontrolle wurde nachjustiert.

Eine Neuerung: Zwei große Polizeiwagen stehen quer auf der Autobahn bei der Abfahrt zum Parkplatz. „Das versperrt die Sicht nach vorn“, sagt Hundertschaftsführer Siegfried Büchler. Auch mehr Nagelsperren sind verteilt. Dass drei Autos bei der vergangenen Kontrolle den Rückwärtsgang bei der Einfahrt in den Parkplatz einlegten und die Kontrolle durchbrachen, sitzt tief. Polizeiwagen wurden von den Flüchtenden abgedrängt und überschlugen sich – vier Beamte wurden verletzt. Eine Frau ist laut Innenministerium noch krankgeschrieben. Einer der drei mutmaßlichen Autodiebe ist weiter flüchtig.

Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) streckt zwei Polizisten, die bei der Verfolgungsjagd verletzt worden waren, auf dem Parkplatz die Hand entgegen: „Ich bin stolz auf Sie.“

Für ein Unding hält es die Polizei und auch der Minister, dass von den zwei festgenommenen Männern nur einer in Untersuchungshaft kam. Das Amtsgericht Cottbus hatte das angeordnet.

Die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten habe um 27 Prozent zugenommen, stellt Polizeipräsident Arne Feuring fest. Der Innenminister betont, es sei das falsche Signal an Autodiebe, wenn sie wieder auf freien Fuß kommen, nachdem sie derart brutal vorgegangen seien. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat gegen die Gerichtsbeschlüsse nach eigenen Angaben Beschwerde eingelegt.

Die Halbjahreszahlen des Potsdamer Innenministeriums zu Autodiebstählen lassen Hoffnung aufkeimen. Demnach wurden zwischen Januar und Juni 1696 Wagen gestohlen. Im Vergleichszeitraum 2013 seien es 1896 gewesen – damit gab es einen Rückgang um rund zehn Prozent. Die Tendenz zeigt nach unten, Holzschuher will aber erst die Zahlen für das gesamte Jahr abwarten. Die Halbjahreszahlen seien eine Momentaufnahme.

Etwa dreimal im Monat gibt es laut Polizei solch groß angelegte Kontrollen wie gestern bei Forst (Spree-Neiße). Die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen soll zudem intensiviert werden, um Autodiebe aufzuspüren. Feuring zufolge gibt es Pläne für deutsch-polnische Ermittlerteams. Die Autodiebe gehen laut Innenministerium höchst professionell und arbeitsteilig vor. Oft handele es sich um Kuriere, die die Autos ins Ausland bringen. Die eigentlichen Hintermänner seien andere.

Am Mittag tragen die Beamten das Ergebnis der Kontrolle in Forst zusammen: 243 kontrollierte Fahrzeuge, 439 kontrollierte Menschen.

Der größte Fund: Ein gestohlenes Motorrad aus Berlin, das die Polizei im Frachtraum eines Transporters aufspürte.

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