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Abschlussbericht der BFU : Polizei-Mängel führten zu Absturz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Es war nur eine Polizeiübung. Doch sie kostet einen 40-jährigen Piloten von der Fliegerstaffel Blumberg (Barnim) das Leben. Neun weitere Menschen wurden teils schwer verletzt.

svz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 13:16 Uhr

Es war nur eine Polizeiübung. Doch sie kostet einen 40-jährigen Piloten von der Fliegerstaffel Blumberg (Barnim) das Leben. Neun weitere Menschen wurden teils schwer verletzt, als am 21. März 2013 zwei Bundespolizei-Hubschrauber bei der Landung auf dem schneeverwehten Maifeld zusammenstießen. Anderthalb Jahre nach dem tragischen Unglück liegt nun der Abschlussbericht der Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig vor. Und offenbart zahlreiche Versäumnisse der Bundespolizei bei derartigen Manövern.

„Das Anflugverfahren ist falsch gewesen, es wurden Mindestabstände nicht gewahrt und die Bordkommunikation war nicht ausreichend“, fasst BFU-Sprecher Germuth Freitag den 52 Seiten umfassenden Bericht gestern zusammen. Die Experten werteten dafür neben Cockpitgesprächen unter anderem Filmaufnahmen aus. Die Übung in der Nähe des Bahnhofs Olympiastadion, die einen Polizeieinsatz gegen randalierende Hooligans simulieren sollte, fand im Beisein von Medienvertretern und hochrangigen Vorgesetzten statt.

Die Aufnahmen zeigen die Hubschrauber hintereinander im Landeanflug. Keine der durchgeführten Landungen entsprach laut BFU den von der Luftfahrtaufsicht empfohlenen Techniken beim zu erwartenden „Whiteout“, einem Fachbegriff für aufwirbelnden Schnee. „Entweder, der Pilot muss so schnell und tief zur Landung ansetzten, dass er noch vor der von ihm selbst aufgewirbelten Schneewolke aufsetzt, oder man muss sich so viel Zeit lassen, bis die eigenen Rotoren den Schnee auf der Landefläche verblasen haben“, erklärt Freitag.

Die Bundespolizei, die rechtlich nicht an die Vorschriften der Luftfahrtbehörde gebunden ist, habe jedoch nach eigenen Angaben regelmäßig eine andere Landetechnik angewendet. Diese ist aus Sicht der BFU „nicht verständlich und unzweckmäßig“. „Im Landeanflug mit normalem Sinkwinkel und normaler Geschwindigkeitsverzögerung kommt es zwangsläufig bodennah zu dem Moment, in dem der Hubschrauber von seiner eigenen Schneeaufwirbelung durch den Rotorabwind eingehüllt wird“, heißt es in dem Bericht. Hierbei könne der Sichtkontakt zum Einweiser am Boden plötzlich vollständig verloren gehen.

So geschah es auch auf dem Maifeld. Der Unglückspilot konnte seinen Kollegen im Schneegestöber trotz greller Signalweste plötzlich nicht mehr sehen, verlor die Orientierung und kollidierte mit einem schon gelandeten Eurocopter. Der Pilot starb noch an der Unfallstelle, nachdem eines der Rotorblätter in sein Cockpit eingeschlagen war. Zwei weitere Insassen erlitten schwere Beinverletzungen, eine Person wurde an der Schulter getroffen, eine andere erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Fünf weitere Beamte kamen mit leichten Verletzungen davon.

Das vermehrte Risiko bei Schneelandungen war der Bundespolizei allerdings schon vor dem fatalen Unfall bekannt. Nach der „harten Landung“ eines von der Bundespolizei-Fliegergruppe betriebenen Rettungshubschraubers Anfang 2012 wurde nach einer internen Analyse beschlossen, die Ausbildung im Winterflugbetrieb zu verstärken. Eine Maßnahme, die allerdings erst nach dem Maifeld-Unfall umgesetzt wurde.

Im nun veröffentlichten Untersuchungsbericht werden aber auch die allgemeinen Sicherheitsvorgaben der Bundespolizei zu Mindestabständen und zur Bordkommunikation als unzureichend kritisiert. Der Abstand der Helikopter über dem Maifeld sei „sehr gering“ gewesen. Erst nach dem Unfall habe die Polizei einen Mindestabstand von 70 Metern festgelegt, erklärt Freitag. Die Empfehlung der BFU aus dem Jahre 2006, luftrechtliche Regelungen für den Betrieb von Polizeihubschrauberstaffeln zu schaffen und dies von unabhängigen Experten kontrollieren zu lassen, wurde aber bis heute nicht umgesetzt.

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