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Vorwürfe vor Gericht : Polizei behindert eigene Ermittler

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Maskenmann-Prozess: Zeugin berichtet über Umgang mit kritischen Beamten

svz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 07:55 Uhr

Nach der Entführung eines Berliner Unternehmers in Storkow (Oder-Spree) sollen Polizeibeamte massiv bei ihrer Arbeit behindert worden sein. Eine Kriminalistin sagte gestern vor Gericht, dass die Polizeiführung bestimmte Ermittlungsrichtungen „untersagt“ hätte.

Bereits kurz nach dem Verbrechen im Herbst 2012 rumorte es in den Reihen der Sonderkommission „Imker“. Es ging um die Frage, wie glaubwürdig ist die Aussage des vermeintlichen Opfers? Während die Polizeiführung den Berliner Unternehmer wenige Stunden nach seiner Selbstbefreiung in den Urlaub entlässt, fordern Mitglieder der Sonderkommission den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen prüfen zu lassen. Der Vorschlag sei aber vom Leiter der Sonderkommission „Imker“ und vom Leiter der Mordkommission untersagt worden, berichtete die Kriminalbeamtin am Montag vor Gericht. Eine Erklärung für die Vorgaben ihrer Vorgesetzten habe sie nicht gehabt. „Ich bin damit aber schlecht klargekommen“, sagte sie.

Zwei ihrer Kollegen hätten sich später ohne Wissen des Leiters der Sonderkommission „Imker“ und des Leiters der Mordkommission an die Staatsanwaltschaft gewandt. Dort trugen sie ihre Bedenken vor. Als die Indiskretion bekannt wurde, hätte es „lautstarke Gespräche“ mit den Beamten gegeben. Nach Informationen dieser Zeitung ist einer der Betroffenen später in einen anderen Bereich versetzt worden. Auch der stellvertretende Leiter der Sonderkommission „Imker“ sollte von seinem Posten entfernt und nach Cottbus abgeschoben werden.

Was die Beamten der Sonderkommission „Imker“ erst später erfuhren: Es gab sehr wohl eine Art Glaubwürdigkeitsgutachten über die Aussagen des Berliner Unternehmers. Auf Anregung des Chefs der Potsdamer Mordkommission sei die Kriminologin Bettina Götze mit der Einschätzung des Falls betraut worden. Die Expertin kam zu dem Schluss, dass die Aussage des Opfers nicht glaubwürdig sei.


Beamtin sagt zurückhaltend aus


Das Ergebnis dieser Fallanalyse habe der Leiter der Frankfurter Mordkommission nicht an die Beamten der Sonderkommission weiter gegeben. Erst als die Existenz der Expertise durchsickerte, forderten Ermittler Einsicht in die Unterlagen nehmen zu können. Der Vorgesetzte habe daraufhin geantwortet, die Unterlagen befinden sich „in seinem Tresor“, erklärte die als Zeugin geladene Beamtin, die gestern auf einige Fragen sehr reserviert reagierte. „Ich weiß nicht, ob ich das sagen kann. Es geht um dienstinterne Sache“, versuchte sie ihre Bedenken zu erklären.

Einen Tag vor ihrer ersten Aussage hatte sie nach eigenen Angaben Post von Polizeipräsident Arne Feuring erhalten. Darin: eine erweitere Form ihrer Aussagegenehmigung. „Mir wurden Konsequenzen angedroht, wenn ich gegen Dienstanweisungen verstoße“, so die Zeugin. So etwas habe es zuvor nie gegeben.

 

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