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Eisenhüttenstadt : Planstadt begeistert Pet Shop Boys

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Elektropop-Duo hat sich Eisenhüttenstadt angesehen / Stadtführer war Komponist Sven Helbig

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2015 | 17:47 Uhr

„Go West“ heißt einer ihrer großen Hits. Doch in dieser Woche sind die Pet Shop Boys nicht westwärts gegangen, sondern haben sich in den tiefsten Osten gewagt. Still und heimlich hat sich das britische Elektropop-Duo in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) umgesehen. Sein Fazit: Ein Besuch lohnt sich.

„Wir haben gerade einen interessanten Nachmittag in dieser ehemaligen sozialistischen Planstadt in Ostdeutschland verbracht“, schreibt Neil Tennant von den Pet Shop Boys auf der Internetseite des britischen Duos. Dazu hat er ein Bild gestellt, das ihn und seinen Bandpartner Chris Lowe vor dem berühmten Walter-Womacka-Mosaik „Arbeit für den Frieden“ an der Fassade des ehemaligen Kaufhauses „Magnet“ in Eisenhüttenstadt zeigt, das heute unter anderem eine Bibliothek und eine Disko beherbergt.

Gemacht hat das Foto ein Freund der beiden – der international bekannte Komponist und Produzent Sven Helbig, der 1968 selbst in der Planstadt geboren wurde und dort aufwuchs. Er führte die zwei Pet Shop Boys durch den Ort seiner Kindheit. „Wir arbeiten ja seit zehn Jahren zusammen und sind inzwischen sehr gut befreundet.“ Im Moment berate man gerade über die Fortsetzung von verschiedenen Projekten, sagt der Musikproduzent. Und da seine Freunde gerade in Berlin waren und sich schon immer mal die erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden ansehen wollten, von der sogar schon Hollywood-Star Tom Hanks geschwärmt hat, machten sie sich per Bahn auf den Weg.

„Neil und Chris sind für Popstars sehr scheu. Daher waren wir auch vollkommen privat unterwegs und hatten niemandem etwas angekündigt“, erzählt Sven Helbig einen Tag nach dem Besuch, von dem die meisten Eisenhüttenstädter erst aus dem Internet erfahren haben. Erkannt habe sie bei ihrem Spaziergang so gut wie niemand. Nur zwei sehr emotionale Begegnungen mit Fotos und Autogrammen habe es in der recht leeren Stadt gegeben.

Selbst im Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR, das früher eine Kinderkrippe war, in der Sven Helbig betreut wurde, blieben die prominenten Besucher unbehelligt. „Die waren eine knappe Stunde hier“, erinnert sich Peggy zur Nieden. „Aber dass das die Pet Shop Boys waren, nein, das hat hier niemand mitbekommen. Die sehen doch in den Musikvideos immer ganz anders aus.“ Erst als sie das Bild am nächsten Tag im Internet sah, zählte die Mitarbeiterin des Dok-Zentrums eins und eins zusammen.

Doch Chris Lowe und Neil Tennant begnügten sich nicht mit einer Stippvisite im Museum. „Sie wollten wirklich alles sehen“, betont Sven Helbig. Und so führte er sie durch die historischen Wohnkomplexe, die unter Denkmalschutz stehen – „Sie haben gestaunt über den Aufwand und die Großzügigkeit, mit der hier für die Arbeiter gebaut wurde“ –, zu den Hochöfen von ArcelorMittal, zum Theater in der ehemaligen Leninallee und zur Zwillingsschachtschleuse am Oder-Spree-Kanal. Ein schöner Fußmarsch. „Das bittere Ende im VII. Wohnkomplex habe ich ihnen auch nicht vorenthalten“, sagt Helbig mit Blick auf die Abrissbagger, die dort nach der Wende kaum ein Haus verschont haben.

Auf die Frage, was den Pet Shop Boys am besten in Eisenhüttenstadt gefallen habe, antwortet er: „Sie haben die vielen Skulpturen bewundert, die großen Innenhöfe – all die Dinge, die einem als Eisenhüttenstädter gar nicht mehr auffallen. Dazu gehören auch die vielen schönen Details in der Architektur: die Erker, Arkaden und Balustraden.“

Neil Tennant jedenfalls schien durchaus beeindruckt von Eisenhüttenstadt: Er schreibt auf der Internetseite: „Ein Besuch lohnt sich.“

 

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