Streit weitet sich aus: : Papierkrieg nun an allen Fronten

Dorn im Auge kommunaler Wirtschaftsunternehmer: Altpapier sammelnde Kinder
Dorn im Auge kommunaler Wirtschaftsunternehmer: Altpapier sammelnde Kinder

Seitdem private Altpapierhändler den Markt mit alten Zeitungen für sich entdeckt haben, stöhnen kommunale Wirtschaftsunternehmen über die ungeliebte Konkurrenz.

svz.de von
09. Dezember 2014, 22:00 Uhr

Seitdem private Altpapierhändler den Markt mit alten Zeitungen für sich entdeckt haben, stöhnen kommunale Wirtschaftsunternehmen über die ungeliebte Konkurrenz. Denn nicht nur in der Prignitz bringen Schulen und Kindertagesstätten regelmäßige Sammelaktionen Bares für die Klassenkasse.

So kommen an manchen Tagen die Mädchen und Jungen der Astrid-Lindgren-Grundschule in Eisenhüttenstadt wie ein Esel bepackt auf den Schulhof. Die Mappe auf dem Rücken, die Sporttasche hängt am Hals, und an beiden Händen baumeln verschnürte Altpapierbündel. „Zuletzt sind wir auf 1,6 Tonnen gekommen“, lobt Kerstin Eckert, die im Auftrag des Fördervereins der Schule die Aktion koordiniert. Sechs Cent zahlen gewerbliche Händler pro Kilogramm Papier – am Ende landen jedes Mal bis zu 150 Euro in der Kasse des Fördervereins. Geld, das nach Ansicht von Kerstin Eckert gut angelegt ist. „Wir finanzieren damit Sachen in der Schule, für die der Schulträger nicht aufkommt“, erzählt sie.

Beim Kommunalen Wirtschaftsunternehmen (KWU) Entsorgung in Fürstenwalde sieht Werkleiterin Sölve Drawe so etwas gar nicht gern. Die gewerblichen Papieraufkäufer machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Während KWU im Vierwochen-Rhythmus die Papiertonnen leert und so im vergangenen Jahr den Gebührenhaushalt um 700 000 Euro anreichern konnte, buhlt die Konkurrenz um den Kunden und ködert sie mit Geld.

Die Statistik belegt, dass die Masche Erfolg hat: Die eingesammelten Papiermengen sind im Zuständigkeitsbereich des Fürstenwalder Unternehmens von über 14 000 Tonnen im Jahr 2006 auf etwa 11 500 im vergangenen Jahr gesunken. Es sei deutlich zu spüren, „dass aufgrund der hohen Papierpreise im Weltmarkt das Interesse durch gewerbliche Aufkäufer deutlich gestiegen ist“, sagt KWU-Sprecherin Evelyn Neidhardt.

Norbert Wilhof kann das bestätigen. Er hat sich 2011 in Müncheberg als Ableger des bundesweit agierenden Aufkäufers Papierbank niedergelassen. „Angefangen habe ich mit vier Containern, mittlerweile bin ich bei acht“, erzählt er. Fünf Cent zahlt er pro Kilogramm Normalpapier. Die örtliche Kita ist schon Kunde bei ihm, die Schulen haben ebenfalls Interesse signalisiert.


Kreise drohen mit höheren Abfallgebühren


Das Altpapier geht in die Fabrik nach Schwedt, die vor Ort gepresste Pappe nach Eisenhüttenstadt. Dass er den Kreisen mit ihren eigenen Entsorgungsunternehmen ein Dorn im Auge ist, weiß er. Denn die drohen mit höheren Gebühren, wenn die eigenen Papiertonnen immer leerer werden. Der private Handel mit alten Zeitungen am Entsorgungsunternehmen vorbei schmälere die kommunale Sammelmenge. „Dadurch sinkt nicht nur die Effektivität der kommunalen Altpapiersammlung. Gleichzeitig stehen den konstanten Vorhaltekosten geringere Einnahmen gegenüber, die über die Abfallgebühren zu decken sind“, erklärt die KWU-Sprecherin. Ist dieser Trend nicht zu stoppen, führe er letztlich zur Erhöhung der Abfallgebühren.

Auch die Prignitz hat das Thema Altpapier im Zusammenhang mit Schulen bereits häufig beschäftigt. So hatte die Kreisverwaltung im vergangenen Jahr mehreren Schulen Bußgelder aufgrund nicht genehmigter Wertstoffsammlung angedroht. Der „Prignitzer“ hatte umfänglich berichtet, wie die Jahnschule im Oktober 2013 schließlich erwirkt hatte, mit einer entsprechenden Anzeige beim Landesumweltamt (LUGV) eine Sammlung durchführen zu können. Der Kreis erhob daraufhin keinen Einspruch. Kürzlich wurde in der Gemeinde Weisen ein Container am Schulplatz aufgestellt, auch wenn es hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Sammlung für die Kita ,Haus der lieben Zwerge‘ weiterhin Bedenken gibt.

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