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Aussage im GerichtsProzess : Opfer erkennt „Maskenmann“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Er soll vermögende Familien in Angst und Schrecken versetzt haben. Jetzt sagte eine Zeugin gegen den mutmaßlichen Täter aus.

Eines der Opfer des „Maskenmannes“ von Storkow ist sich sicher, dass der auf der Anklagebank sitzende Mann der Täter ist. Augen, Mund, Kopfform: „Ich weiß, dass ich den ganzen Menschen wiedererkenne“, sagte die Ehefrau eines Unternehmers gestern im Prozess am Landgericht Frankfurt (Oder). Der 46-Jährige soll 2011 und 2012 zwei Berliner Millionärsfamilien in ihren ostbrandenburgischen Häusern überfallen und dabei auch einen Manager entführt haben. Der Angeklagte wurde schließlich nach langer Fahndung in einem der größten Polizeieinsätze Brandenburgs in den vergangenen zehn Jahren gefasst. Er bestreitet die Vorwürfe.

Die Frau, die als Nebenklägerin auftritt, war im August 2011 vor ihrem Haus in Bad Saarow mit einem Knüppel zusammengeschlagen und schwer verletzt worden. Nach dem Anschlag hatte sie Ermittlern eine Personenbeschreibung des Täters gegeben. Dieser sei maskiert gewesen, sie habe aber zum Beispiel Augen, Mund und Haarfarbe erkennen können. In den Vernehmungen nach dem Überfall sei sie immer wieder gefragt worden, wer ein Motiv gehabt haben könnte. „Es wurde in alle Richtungen gefragt“, sagte die 61-Jährige am zweiten Prozesstag.

Die Frau berichtete vor Gericht von ihrer Todesangst bei den Schlägen im August vor drei Jahren. In einer Vernehmung von der Polizei hatte sie gesagt: „Ich bin davon ausgegangen, dass er mich umbringt, wenn ich ihm die Maske abreiße.“ Ein Rettungssanitäter, der als Zeuge gehört wurde und die Verletzte am Tatabend versorgt hatte, schilderte den Zustand der Frau. Sie sei blutüberströmt gewesen, habe Platzwunden auf dem Kopf gehabt und unter Schock gestanden. Nachbarn berichteten von lauten Hilfeschreien, die sie gehört hätten. Eine Nachbarin sagte, die Schreie seien ihr „durch Mark und Bein gegangen“.

Kurze Zeit nach dem Überfall im August schoss der mutmaßliche „Maskenmann“ auf die Tochter der Familie, ebenfalls auf dem Anwesen. Sie überlebte, ein Personenschützer ist seit diesem Anschlag querschnittsgelähmt. Für die Mutter ist das Motiv hierbei klar: „Es sollte sicher im Fall meiner Tochter eine Entführung werden.“ Sie habe nach dem Angriff auf sie niemanden konkret als Täter verdächtigt, sagte die 61-Jährige. Allerdings habe es in ihrer Umgebung mehrere Männer gegeben, die wie ihr Peiniger rotes beziehungsweise rotblondes Haar haben und sie zeitweise auch sehr stark an den Täter erinnert hätten. Innerhalb der Familie sei zwischenzeitlich der Verdacht aufgekommen, dass hinter dem Anschlag auch Erbstreitigkeiten oder Konflikte um Immobilienangelegenheiten in der Kommune gesteckt haben könnten. Der Mann der 61-Jährigen ist in der Immobilienbranche tätig.

Schon in der Zeit vor dem Überfall habe es ungewöhnliche Vorfälle gegeben, sagte das Opfer. So habe sich die Ehefrau des später entlassenen Angestellten bei ihr beschwert, ihr Mann verdiene zu wenig. Sie habe mehr Geld verlangt und gesagt, sie wisse etwas über die Unternehmerfamilie, das sie ansonsten öffentlich machen wolle. Details dazu nannte die Nebenklägerin nicht.

Ein Jahr später wurde ein Investment-Banker in Storkow verschleppt. Die Anklage geht davon aus, dass auch hier der „Maskenmann“ der Täter ist. Er brachte sein Opfer mit einem Kajak auf eine Schilfinsel, um Lösegeld in Millionenhöhe zu erpressen. Der Entführte flüchtete.

Dem vorbestraften Angeklagten aus Berlin werden unter anderem versuchter Mord, versuchter Totschlag, schwere Körperverletzung und räuberische Erpressung vorgeworfen. Die Anklage stützt sich auf Indizien. Eine wichtige Rolle spielt zum Beispiel die Tatwaffe, die bisher allerdings nicht gefunden wurde. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn gesagt: „Ich bin der Falsche.“

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