Rettungsaktion an der Spree: : Open-Air-Operation im Eisregen

Gelungener Abschluss: Tierärztin Alice Walter vernäht die Wunde, de  des Jungschwans gebohrt.
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Gelungener Abschluss: Tierärztin Alice Walter vernäht die Wunde, de des Jungschwans gebohrt.

Bei schneidendem Wind und einsetzendem Eisregen befreite Tierärztin Alice Walter einen jungen Schwan von einem Angelhaken, der sich offenbar schon vor Wochen tief in seinen Hals gebohrt hatte. Aufmerksamen Spaziergängern war das verletzte Tier aufgefallen.

svz.de von
12. Dezember 2014, 16:05 Uhr

Der Haken ist rostig und er hat sich tief in die Halsmuskulatur des jungen Schwans gebohrt. Dort steckt er fest, als sei er eingewachsen. „Die Verletzung ist schon ein paar Wochen alt. Ich muss einen Schnitt machen“, sagt Tierärztin Alice Walter. Routiniert greift sie zum Skalpell. Dabei ist die Operation, die sie durchführt, alles andere als Routine. Statt in einer Arztpraxis findet sie unter freiem Himmel, direkt am Spreeufer statt.

Ohana Hillmann hatte in der Fürstenwalder Tierstation angerufen, nachdem ihr der Schwan mit dem deutlich sichtbaren Haken im Hals aufgefallen war. „Ich habe mir große Sorgen gemacht, weil am Haken noch ein mindestens 30 Zentimeter langes Stück Angelsehne hing und ich fürchtete, das Tier könne sich damit strangulieren“, erzählt die Fürstenwalderin, die gern an der Spree spazieren geht, die Schwäne beobachtet und füttert. Entsprechend groß war die Erleichterung, als Christine Matzke versprach, mit einer Ärztin der Kleintierklinik zur Spree zu kommen, um sich um das verletzte Tier zu kümmern.

Das Eintreffen der Veterinärin wird mit Spannung erwartet. Ohana Hillmann hat mit Elvira Kerber und Marian Kozak zwei weitere Fans der majestätischen, weißen Wasservögel um Hilfe bei der geplanten Rettungsaktion gebeten. Alle drei haben tütenweise Brot dabei, um das Schwanenquintett, dass ruhig seine Runden auf der Spree zieht, an Land zu locken.


Keine seltene Verletzung


Die Temperaturen liegen kaum über dem Gefrierpunkt, der Wind weht kalt, Eisregen setzt ein, als Christine Matzke und Alice Walter am Spreeufer hinter der Bullenwiese eintreffen. Dann läuft alles nach Plan: Die Schwäne lassen sich anlocken, blitzschnell macht die Veterinärmedizinerin das verletzte Tier aus und greift beherzt zu. Christine Matzke steht mit einer Decke bereit. Die beiden Frauen wickeln den fauchenden Schwan ein, hindern ihn so daran, mit den Flügeln zu schlagen.

Die Operation kann beginnen: Alice Walter ertastet den Angelhaken im Schwanenhals. Das Tier muss ein paar Federn lassen, dann setzt die Ärztin die Spritze mit der Lokalanästhesie. Ein kleiner Halsschnitt mit dem Skalpell ist notwendig, um den Haken freizulegen. Der wird mit einer Drahtschere gekappt und entfernt. Zu guter Letzt versorgt die Veterinärin die Wunde, desinfiziert und vernäht sie. Dann darf der Patient zu seiner Familie zurückkehren. „Gott sei dank, alles ist gut gegangen“, sagt Ohana Hillmann erleichtert.

„Dass Schwäne sich mit Angelhaken verletzen kommt häufig vor“, sagt Alice Walter. Für die unorthodoxe Freiluft-OP habe sie sich entschieden, weil der Transport in die Tierklinik für den Schwan viel mehr Stress bedeutet hätte. „Sie sollten ihn in den nächsten fünf Tage beobachten, dann ist die Wunde verheilt“, rät die Ärztin zum Abschied.

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