In Wand eingemauert : Olympiagold sorgt für Wirbel

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Wem gehört das selten Stück und unter welchen Umständen kam es in den lange verborgenen Geldschrank?

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13. August 2015, 22:00 Uhr

Eine Goldmedaille aus dem Jahre 1932 hat in der Gemeinde Kleinmachnow südlich von Berlin Recherche-Fieber ausgelöst. In einem versteckten Tresor fanden Handwerker bei Bauarbeiten in der Kita „Waldhäuschen“ die Medaille der Olympischen Sommerspiele 1932 in Los Angeles. Wem gehört das selten Stück und unter welchen Umständen kam es in den lange verborgenen Geldschrank?

Seit dem Fund ist nicht nur der Terminplan von Bürgermeister Michael Grubert (SPD) das ein- oder andere Mal durcheinandergeraten. Das Telefon im Rathaus steht nicht mehr still. „Der Tag, als die Geschichte publik geworden ist, und auch der heutige Tag sind ein bisschen auf den Kopf gestellt worden“, sagte Grubert gestern.

Über die Abwechslung in seinem Dienstalltag während der politischen Sommerpause ist Grubert dankbar. „Die Geschichte ist aufregend und spannender als Aktenwälzen“, erklärte er.

Installateure fanden vor einigen Tagen beim Verlegen von Heizungsrohren hinter einer Wand der Kita unverhofft den alten Tresor. Mühevoll brachen sie den alten Metallkasten auf. Sie fanden aber kein Bargeld oder Goldbarren – sie stießen auf eine kleine Olympia-Medaille. Kita-Verbandschefin Susanne Feser fing umgehend mit der Recherche an, um die historischen Hintergründe des ungewöhnlichen Fundes aufzudecken.

Dabei half ihr der Publizist und Sport-Historiker Volker Kluge, der von der Geschichte erfahren hatte. Nach seinen Nachforschungen handelt es sich um die Trophäe des 1969 verstorbenen Ruderers Horst Hoeck. Der hatte mit dem Vierer aus Berlin in Los Angeles triumphiert. Von 1945 bis 1949 lebte er in dem Haus, in dem die Medaille gefunden wurde. „Die Medaille ist echt, das haben wir überprüfen lassen“, sagte Bürgermeister Grubert. Kluge schätzt den Wert auf 10  000 Euro.

Mittlerweile hat sich im Kleinmachnower Rathaus Karin Isermann aus der Nähe von Frankfurt am Main gemeldet. Die 1939 geborene Frau ist die Tochter aus Hoecks erster Ehe und das älteste von insgesamt vier Kindern des Goldmedaillen-Gewinners. Sie gilt als seine Haupterbin und hat sich das Fundstuck gestern angesehen. „Wir sind froh und auch ein bisschen stolz, dass wir die Medaille dem rechtmäßigen Besitzer aushändigen können“, befand Grubert. Mitnehmen konnte Isermann das historische Utensil aber noch nicht. Erst muss sie einen Erbschein vorlegen.

Hoeck muss die Medaille bei seiner Flucht vor dem Sowjets abhanden gekommen sein. Weil der damalige Direktor einer Teltower Bio-Malzfabrik nach dem Kriegsende nicht mit den Besatzern zusammenarbeiten wollte, wurde er inhaftiert. „Ich bin doch kein Kommunist“, soll er empört gerufen haben. Ihm gelang dann später die Flucht aus dem Gefängnis in den Westsektor der heutigen deutschen Hauptstadt.

Bevor Karin Isermann die Medaille ihres Vaters in Empfang nehmen kann, will die Gemeinde Kleinmachnow noch einen Abdruck der Trophäe anfertigen lassen. „Wir wollen sie in unserem Heimatmuseum ausstellen lassen“, sagt Bürgermeister Grubert.

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