Dreister Ortswehrführer : Ohne Lappen im Einsatz

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Jetzt muss er sich dafür verantworten.

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28. April 2015, 22:00 Uhr

Die Ausbildung von Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr wird ständig aufgefrischt und kontrolliert – wer aber kontrolliert eigentlich die Kontrolleure? Unter Umständen niemand, wie sich in der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Storkow zeigte. Dort ist Daniel F. seit mehr als 22 Jahren Mitglied und als Stellvertretender Ortswehrführer in so einer Kontrollposition. In dieser oblag es ihm, zusammen mit dem Ortswehrführer Ingo Kittler, eine einsatzfähige Ortswehr zu leiten und zu führen sowie für die Ausbildung der Mitglieder zu sorgen. Auch die Kontrolle der Führerscheine zählte zu seinen Aufgaben. Nur einen vergaß die Führungskraft dabei: sich selbst. „Es ist wirklich ärgerlich für uns Feuerwehrleute, dass einer aus der Chefetage so einen Mist gemacht hat“, erklärt ein Feuerwehrmitglied gegenüber dem Oder-Spree-Journal. Er selbst möchte unerkannt bleiben, aus Angst als „Nestbeschmutzer“ zu gelten. „Das wäre nie raus gekommen, der hätte noch lange so weitergemacht“.

Mehr als zwölf Jahre sei Daniel F. nachweislich ohne Führerschein für die Freiwillige Feuerwehr Storkow unterwegs gewesen und habe in der Zeit mehr als hundert Einsatzfahrten gehabt, wie der Informant berichtet. „Er hat dabei nicht nur sich selbst und die Technik gefährdet. Auch bis zu acht Kameraden, die bei ihm dadurch, dass er keinen Führerschein mehr hatte, möglicherweise ohne Versicherungsschutz mit zum Einsatz fuhren.“ Der Führerschein sei von der Stadt Storkow für Daniel F. und andere Kameraden der Feuerwehr bezahlt worden. „Es gab einen großen Kraftfahrermangel für die neue Technik, darum wurden damals jährlich zwei Kameraden der Feuerwehr inklusive der Ortsteilfeuerwehren zur Führerscheinausbildung geschickt. Aber seit Frank Ebert Stadtbrandmeister ist, gibt es diese Ausbildung nicht mehr“, äußert der anonym bleiben wollende Feuerwehrmann seinen Unmut: „Seine Aufgabe wäre es auch gewesen, die Führerscheine der Führungskräfte zu kontrollieren, dann wäre das nicht über so einen langen Zeitraum möglich gewesen, dass ein Kamerad ohne Führerschein fährt.“

Weil sich die Führungskräfte schlecht selbst kontrollieren können, hätte das durch den Stadtbrandmeister und hauptamtlichen Sachbearbeiter Feuerwehr Frank Ebert geschehen müssen. Am Ende war es aber nicht Frank Ebert, der die Sache aufdeckte. Die Lebensgefährtin von Daniel F. hatte nach einem Streit Anzeige bei der Polizei erstattet. Sie brachte den Stein ins Rollen. „Der Stadtbrandmeister kann zwar die Kontrolle der Führerscheine an die Ortswehrführer und ihre Stellvertreter abgeben, aber das entbindet ihn nicht von seiner Sorgfaltspflicht, die Führerscheine der Führungskräfte zu kontrollieren“, verdeutlicht der Feuerwehrmann. So sei es möglich gewesen, dass Daniel F. die Fahrzeuge der Feuerwehr über zwölf Jahre trotz fehlenden Führerscheins fahren konnte.

„Hinterher ist man immer schlauer“, kontert Frank Ebert, der nie bezweifelt hat, dass Daniel F. einen Führerschein besitzt, weil er auch privat gefahren sei. „Ich kann das Ganze nicht nachvollziehen und bin persönlich sehr enttäuscht“, gibt Ebert zu. Derzeit sei Daniel F. zwar noch Mitglied der Storkower Wehr, aber ohne Funktion. Mehr möchte Ebert nicht sagen und verweist auf das laufende Verfahren. Das tut auch Storkows Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig, denn die Stadt ist Träger des Brandschutzes und steht damit in der Verantwortung. Sie bestätigte den Vorfall auf Nachfrage bei einer Bürgerversammlung und versicherte, um Aufklärung bemüht zu sein. Für den anonymen Feuerwehrmann ist das nur ein schwacher Trost: „Es ärgert uns Feuerwehrleute, wenn ein schwarzes Schaf durch so ein Fehlverhalten ein schlechtes Licht auf alle Feuerwehrkameraden wirft.“

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