Urteil Erwartet : Nur ein juristischer Schlussstrich

Erfolglose Suche: Die Leiche von Maike Thiel wurde nie gefunden.
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Erfolglose Suche: Die Leiche von Maike Thiel wurde nie gefunden.

Im Fall „Mord ohne Leiche“ werden viele Fragen offen bleiben.

svz.de von
09. Juli 2014, 07:09 Uhr

Nach einem Verhandlungsmarathon von 46 Sitzungen wird heute im Neuruppiner Landgericht das Urteil im Prozess ohne Leiche gesprochen. Die Große Jugendkammer verkündet, ob sie Christine und Michael Sch. für die Mörder von Maike Thiel hält.

Es scheint der perfekte Mord gewesen zu sein – wenn es denn einer war. Am 3. Juli 1997 verschwand die 17-jährige Maike Thiel. Nachdem das schwangere Mädchen zu einer Untersuchung das Hennigsdorfer Krankenhaus aufgesucht hatte, wurde sie nie wieder gesehen.

Dass das Mädchen auf Nimmerwiedersehen Reißaus von ihrer Familie genommen hat, schlossen die Ermittler schnell aus. Sehr früh zogen die Ermittler in Erwägung, dass Michael Sch. etwas mit dem Verschwinden seiner Ex-Freundin zu tun habe, zumindest aber etwas wissen könnte. Doch bis heute – und damit sein halbes Leben – schweigt der jetzt 35-Jährige.

Auch Dominique Sch. schwieg fast 15 Jahre. Bis sie im Juni 2012 auspackte. Für Dominique Sch. war die Familie so etwas wie eine Ersatzfamilie. Als 13-Jährige lernte sie Michael kennen, der für sie wie ein Bruder wurde. Am Tag von Maikes Verschwinden habe er bei einem Spaziergang gesagt: „Es ist passiert, Maike ist weg.“ Mit dem Mord habe Michaels Mutter die Unterhaltszahlungen ihres Sohnes vermeiden wollen. Es fiel Dominique Sch. vor Gericht allerdings schwer, zu erklären, weshalb sie ihr Wissen 15 Jahre für sich behielt. Und weshalb sie sogar mit dem Mann schlief, der ihr ein Mordgeständnis präsentiert haben soll.

Lydia C. brach ebenfalls ihr Schweigen. Die frühere Freundin von Michael sagte aus, dass Michael sie einmal unter die Dusche gezerrt und dort den Mord gebeichtet habe.

Für die Verteidiger ist die Sache seit Prozessbeginn im Mai 2013 klar: Für sie gibt es nicht nur keine Leiche, sondern auch keine glaubhaften Zeugen. Will sich der Staatsanwalt wirklich auf eine Lydia C. berufen, die von einem Geständnis in einer Drogennacht berichtet? Wollen die Ankläger auf Dominique Sch. bauen, der nach 15 Jahren des Schweigens plötzlich immer mehr Details einfallen? Während die Staatsanwälte achteinhalb Jahre wegen Mordes für Michael Sch. und lebenslänglich wegen Anstiftung zum Mord für dessen Mutter Christine fordern, plädieren die Verteidiger auf Freispruch.

„Es wird nicht einfach sein, in dieser Sache ein Urteil zu finden“, prophezeite Richter Gert Wegner.

Noch schwieriger wird es für die als Nebenkläger auftretenden Eltern von Maike, mit dem Urteil fertig zu werden. Im für sie schlimmsten Fall verlassen die Angeklagten das Gericht mit einem Freispruch. Doch selbst bei einer Verurteilung bleibt die wichtigste Frage der Eltern unbeantwortet: Wo ist die Leiche unserer Tochter?

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