Prenzlau : Notärztin übersieht Messerstiche

Peinliche Panne beim Ermitteln der Todesursache

svz.de von
10. März 2014, 18:23 Uhr

Das Opfer hatte drei Stichwunden im Körper: Dennoch kreuzte eine Notärztin in Prenzlau (Uckermark) vor drei Wochen das Kästchen „natürliche Todesursache“ auf dem Totenschein an. Die peinliche Panne wurde nur entdeckt, weil erfahrende Kriminalisten am Tatort zu einer ganz anderen Einschätzung kamen. Sie drängten auf eine Obduktion der Leiche. In der Gerichtsmedizin bestätigte sich der Verdacht der Beamten. Dort entdeckten Mediziner die tödliche Verletzung.


Geplatzte Adern als Todesursache notiert


Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper sagte gestern, dass ihr solch ein Fall noch nie untergekommen sei. Die Notärztin habe nicht nur die Stiche nicht entdeckt. Sie gab als Todesursache auch noch geplatzte Krampfadern an. Dennoch müsse die Frau nicht mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen. „Sie hat die falsche Einschätzung ja nicht mit Absicht getroffen“, erklärte Lodenkämper.

Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft wegen Totschlags gibt es trotzdem. Die richten sich gegen einen Freund des Opfers. Der 55-jährige Beschuldigte hatte sich zwei Tage nach dem Verbrechen mit einer abenteuerlichen Geschichte bei der Polizei gemeldet. Er gab an, mit seinem Freund einen über den Durst getrunken zu haben. Plötzlich soll sich das Opfer nicht mehr bewegt haben – auch ein Puls war nach Aussage des Mannes nicht zu spüren. Die Polizei brach daraufhin die Wohnung des Opfers auf – und fand die Leiche. Tatwaffe ist wohl ein Brotmesser.

Der Beschuldigte befindet sich inzwischen auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in einer Entziehungsklinik. Nun müsse geprüft werden, inwieweit der Mann schuldfähig ist, sagte Lodenkämper.

Zu möglichen Konsequenzen für die Ärztin äußerte sich die Landesärztekammer gestern nicht.

Über Fehler bei Leichenschauen wird seit Jahren berichtet. Eine Arbeitsgruppe des Bundesjustizministeriums schlug deshalb bereits 2008 eine Entkopplung von Todesfeststellung und Bestimmung der Todesursache vor. Der Vorschlag scheiterte an der Zustimmung der Länder.

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