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Maskenmann-Prozess: : Neue Vorwürfe gegen Polizeiführung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Prozess um die Angriffe auf zwei Millionärsfamilien in Bad Saarow und Storkow gerät die Führung der Polizei weiter unter Druck.

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 08:00 Uhr

Im Prozess um die Angriffe auf zwei Millionärsfamilien in Bad Saarow und Storkow gerät die Führung der Polizei weiter unter Druck. Hintergrund ist die Aussage einer weiteren Polizeibeamtin. Yvonne B. berichtete gestern vor dem Frankfurter Landgericht über ein Treffen mit dem Leiter der Kriminalpolizei Siegbert K., der nach den Gewaltverbrechen auch der Sonderkommission „Imker“ vorstand.

Anfang dieses Jahres kam sie mit dem 54-jährigen Kriminaldirektor ins Gespräch. Sie berichtete ihm über ihre Bedenken, dass dem Entführungsopfer bestimmte Fragen nicht gestellt werden durften. Die Antwort von Siegbert K. war ihren Angaben zufolge verblüffend. Der Vorgesetzte habe gemeint, „einem Mann mit solch einem finanziellen Hintergrund“ stelle man bestimmte Fragen nicht. Das könne für die Polizei Konsequenzen haben.


„Ich habe so etwas aber noch nie erlebt“


Kriminaldirektor Siegbert K. hatte Ende Januar vor Gericht bestritten, bei den Ermittlungen gegen den Maskenmann eine bestimmte Richtung vorgegeben zu haben. Er bestätigte jedoch gleichzeitig, dass er nicht an eine vorgetäuschte Entführung des Berliner Unternehmers Stefan T. glaube. Diese Position wollen viele Ermittler bis heute nicht teilen. Unter ihnen ist auch Yvonne B. Vor Gericht listet die Zeugin eine ganze Reihe von ungeklärten Fragen auf. Warum hatte das Opfer keine Verletzungen nach seiner Flucht aus dem Sumpf? Warum war es nicht unterkühlt? Wieso konnte Stefan T. ein Seil, mit dem er gefesselt worden sein soll, beschreiben, obwohl seine Augen verklebt waren?

Bekannt wurde gestern noch ein weiteres fragwürdiges Detail. Es geht um eine Verschwiegenheitserklärung. Das Schriftstück soll von Kripoleiter Siegbert K. in Auftrag gegeben worden sein. Darin wurde den Beamten untersagt, mit anderen Kollegen über den Fall zu reden. Kommunikative Einschränkungen sollte es auch innerhalb der Sonderkommission gegeben haben. Wer die Erklärung in welcher Form unterschrieben hat, konnte Zeugin Yvonne B. nicht sagen. „Ich habe so etwas aber noch nie erlebt“, erklärte sie dem Vorsitzenden Richter Matthias Fuchs.

 

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