deutlich preiswerter : Neue Methode zur Bombensuche

Sprengmeister Andre Müller (r-l) erklärt Innenminister Karl-Heinz Schröter und Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke die Wasserschneideanlage zur automatischen Bombenentschärfung.
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Sprengmeister Andre Müller (r-l) erklärt Innenminister Karl-Heinz Schröter und Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke die Wasserschneideanlage zur automatischen Bombenentschärfung.

Oranienburg profitiert von zwei Systemen, die eine Beseitigung von Kriegsaltlasten effizienter machen .

svz.de von
14. Juli 2015, 08:00 Uhr

Sogenannte Bombenverdachtspunkte müssen künftig seltener als bisher geöffnet werden. Die „Ultra-TEM-Technik“ zur Identifizierung von Altlasten wurde jetzt vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) zugelassen. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) verschaffte sich gestern in Oranienburg (Oberhavel) einen Eindruck von der Technik. Dabei kann mithilfe elektromagnetischer Felder Größe und Geometrie von metallischen Gegenständen im Boden bestimmt werden. Nur wenn Untersuchungen die für Bomben charakteristischen Messkurven ergeben, müssten Verdachtspunkte geöffnet werden, um Kriegshinterlassenschaften zu entsorgen. Bisher musste jeder Verdachtspunkt freigelegt werden, selbst wenn es am Ende nur eine Badewanne war.

Für Oranienburg sei es ein guter Tag, dass Bomben auf diese Weise schneller identifiziert werden könnten, sagte Schröter. „Damit können wir die Gelder für die Kampfmittelbeseitigung effizienter einsetzen. Das hilft uns gerade in Oranienburg im Wettlauf mit der Zeit, weil hier die Anzahl von Blindgängern mit tückischen chemischen Langzeitzündern besonders hoch ist.“ Bombensprengungen werden nach Aussage von Sprengmeister André Müller künftig seltener. Denn mit dem weiterentwickelten Wasserschneidverfahren, das gestern ebenfalls vorgestellt wurde, ließen sich in 95 Prozent aller Fälle die Zünder vom Bombenkörper trennen.

Fast 350 Millionen Euro hat das Land seit 1991 für die Kampfmittelbeseitigung ausgegeben. Brandenburg werde die Haushaltsmittel nicht reduzieren, versicherte Schröter. Er setze darauf, dass sich der Bund künftig auch an den Kosten der Beseitigung alliierter Munition beteilige.

„Ultra TEM“ heißt das Zauberwort, mit dem die Freilegung von Bombenverdachtspunkten – oft verbunden mit einer kostspieligen Grundwasserabsenkung – unnötig wird. Um den Verdachtspunkt werden drei Spulenkreise gelegt. Im Abstand von 1,5 Metern werden pro Spulenkreis je 15 Messpunkte gebohrt, deren Tiefe unter dem verdächtigen metallischen Gegenstand liegt. Die elektromagnetischen Messungen aus den drei Spulenkreisen werden am Computer ausgewertet. Anhand von Messkurven lässt sich mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit feststellen, ob es sich um einen Bombenkörper oder nur einen Brunnenfilter oder eine alte Badewanne handelt.

Das Ultra-TEM-Verfahren, das ein australischer Forscher entwickelt hat, wurde von der Firma Boskalis-Hirdes in Testreihen auf dem Berliner Sprengplatz Grunewald untersucht und als ausreichend sicher bewertet. Dazu seien unterschiedliche Bombenkörper vergraben worden. Mit Ultra-TEM seien die Punkte dann abgemessen worden. Die für bombenförmige schwere Metallkörper charakteristischen drei Messlinien, hätten keinen Zweifel daran gelassen, dass es sich um Bomben handelt, erklärt Firmenvertreter Peter Kockel.

„Dank ,Ultra-TEM‘ konnten in Oranienburg bisher vier Flächen aus dem Kampfmittelverdacht entlassen werden“, lobt Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) die neue Methode. Kostenmäßig schlägt das Verfahren pro Verdachtspunkt mit rund 20  000 Euro zu Buche. Für die Öffnung eines Verdachtspunktes mit Spundwandkasten und Grundwasserabsenkung sind bislang bis zu 300  000 Euro fällig.

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