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Flüchtlinge : Neue Heimat Brandenburg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein syrischer Tierarzt hat längst Fuß gefasst in Deutschland und fürchtet, dass der Flüchtlingsstrom das Land überfordert

svz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 16:48 Uhr

Hasan Tatari verblüfft mit schonungsloser Ehrlichkeit. „Die Tiere sind meine Familie. Für eine eigene fehlt mir in meinem Beruf die Zeit“, sagt der 49-jährige Leiter der Tierschutzstation in Markgrafpieske (Oder-Spree) bei Fürstenwalde. Seit sechs Jahren leitet der in Syrien geborene Veterinärmediziner die Einrichtung des Vereins „Pro Animale für Tiere in Not“ auf einem früheren Bauernhof.

Tarari kümmert sich mit zwölf Mitarbeitern um die möglichst artgerechte Haltung von 160 Katzen, Hunden, Pferden, Schafen, Ziegen und Kamelen. Tatari entschied sich vor rund 30 Jahren für ein  Studium in Deutschland und ist geblieben.

Auch wenn er es nicht zugeben würde, die Sorge um seine tierischen Schützlinge lenkt Tatari ab von traurigen Gedanken an die eigentliche Heimat. Vater, Mutter und einige Geschwister leben in der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo. Diese ist wegen ihrer strategischen Lage zwischen Mittelmeer und Euphrat seit 2012 stark umkämpft.

„Meine Eltern sind zu alt, wollen nicht mehr fort. Und meine Geschwister gehen aus Verantwortung ihnen gegenüber nicht weg“, sagt er. Dass Hunderttausende Landsleute Syrien den Rücken kehren, dafür hat er Verständnis. „In Syrien kämpft jeder ums Überleben. Du weißt morgens nicht, ob du am Abend noch lebst.“ Er hat schon Angehörige verloren.

Der Tierheimleiter spricht schnell, ein fast perfektes Deutsch. „Ich fühle mich wohl, bin hier voll integriert, habe nur deutsche Freunde“, erklärt Tatari, der in einem Nachbardorf von Markgrafpieske wohnt. Integration, so sagt er, sei das A und O, um als Fremder wirklich in der deutschen Gesellschaft anzukommen. Und die fange mit dem Beherrschen der Sprache an.

Als Tatari 1986 das Studium an der Freien Universität Berlin begann, war das Deutschlernen seine größte Herausforderung. „Aber ich mochte die Sprache, ebenso die deutsche Kultur, wollte in der Bundesrepublik dauerhaft leben. Insofern hatte ich genügend Motivation.“

Seine erste Arbeitsstelle führte ihn Anfang der 90er Jahre in eine Tierarztpraxis nach Fürstenwalde, 2009 ging es nach Markgrafpieske. In Syrien war Tatari zuletzt vor acht Jahren. „Da war noch alles friedlich“, meint er. Inzwischen seien Menschenleben in seiner Heimat wertlos geworden. „Dieser Krieg ist so brutal.“

Die Aufnahme der Flüchtlinge rechnet der Tierarzt der Bundesrepublik hoch an, wie er sagt. Kein anderes europäisches Land habe sich so engagiert. Jedoch könne das allein nicht die Lösung sein, glaubt der Syrer. „Flüchtlinge müssen integriert werden, sonst entstehen Parallelgesellschaften, das ist gefährlich.“ Die Flüchtlingsströme könne Deutschland in dieser Hinsicht personell womöglich nicht mehr bewältigen, gibt er zu bedenken.

„Im Moment steht die Unterbringung der Flüchtlinge im Vordergrund“, betont die Brandenburger Integrationsbeauftragte Doris Lemmermeier. „Maßnahmen zur Integration der Flüchtlinge werden die Herausforderung der nächsten Zeit sein.“ Besonders wichtig sind dabei ihren Angaben nach Spracherwerb, Bildung und Integration in den Arbeitsmarkt.

„Vor Ort, in Syrien, muss geholfen werden. Die Weltpolitik sollte mit ihrem Einfluss den Krieg beenden“, fordert Tatari. Dann würden viele seiner Landsleute, die jetzt ihr Heil in der Flucht suchten, nach Hause zurückkehren. „Die meisten sind sehr heimatverbunden, die wollen nicht auf Dauer in der Fremde leben“, glaubt Tatari.

Wer sich als Flüchtling dafür entscheide, in Deutschland zu bleiben, für den sei es wichtig, Kultur und Gesellschaft der neuen Heimat zu akzeptieren. „Der Neuankömmling darf sich nicht abschotten, sondern muss selbst viel dafür tun, sich wirklich einzuleben“, gibt der 49-Jährige den Landsleuten mit auf den Weg.

Und: Flüchtlinge dürften nicht vergessen, dass sie Gäste seien. „Als solche sollten sie sich auch benehmen“, meint Tatari in Hinblick auf gewaltsame Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften.

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