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Vom Täter fehlt jede Spur : Naturschützer fordern Wolfs-Kripo

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach illegalen Schüssen auf Wölfe soll gehandelt werden

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 11:47 Uhr

Die Tierärztin fand den Wolf vor gut einer Woche mitten auf dem Feld, mit schweren Verletzungen, ein Horroranblick. Das Tier wurde von der Veterinärin noch vor Ort eingeschläfert. Auf den ersten Blick war es ein Unfall mit einem Mähdrescher. Dann wurde der Wolf zur Obduktion in das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin geschickt. Dort fanden die Experten bei der Sektion eine Schusswunde.

„Tief enttäuscht“, dass schon wieder illegal auf einen Wolf in Brandenburg geschossen wurde, zeigte sich Robert Frank, Wolfsexperte des Landesjagdverbandes, der eine Anzeige gegen Unbekannt stellte. Es ist der siebte Fall, bei dem ein Wolf im Land getötet wurde.

„Das wirft ein absolut schlechtes Bild auf uns Jäger“, sagt Verbandgeschäftsführer Georg Baumann. Dennoch wehrt er sich gegen vorschnelle Schuldzuweisungen. Obwohl bei der Untersuchung des geköpften Wolfes ein Projektil gefunden wurde, dass bei der Jagd verwendet wird, sei dies kein Beweis, dass der Täter in den Reihen der Waidmänner zu finden ist, meint Baumann.

Eine Spur hat die Polizei in beiden Fällen bislang noch nicht, wie Sprecher der zuständigen Polizeidirektionen Süd und West mitteilen. Das Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) erklärt dagegen, es seien einige Hinweise gefunden worden, die jetzt von der Polizei ausgewertet werden müssten. „Wir leisten forensische Vorarbeit, aber nur bis zu einem gewissen Punkt“, sagt Sprecher Steven Seet.

Ob die Ermittlungen überhaupt intensiv geführt werden sollen, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Während der Naturschutzbund (NABU) Brandenburg eine für Wilderei zuständige Fachstelle beim Landeskriminalamt fordert, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Süd dazu: „Das ist fernab der Realität.“ Es gebe Wichtigeres, meint er. Die NABU-Artenschutzexpertin Christiane Schröder glaubt ohnehin nicht, dass ein Täter ermittelt wird: „Die Polizei ist damit überfordert.“

Nach ihrer Erfahrung nimmt eine Entfremdung von der Natur in der Bevölkerung zu. Einen Anstieg von Wilderei kann das Polizeipräsidium jedoch nicht beobachten.

Die Tierschutzorganisation PETA hat unterdessen jeweils 2000 Euro ausgelobt, um Hinweise zu beiden Fällen zu erhalten. Auch wenn es unwahrscheinlich sei, das Zeugen den Abschuss beobachtet hätten, sagt Mitarbeiterin Judith Pein, gebe es immer wieder Fälle, bei denen die Täter gegenüber anderen mit ihrer „Trophäe“ geprahlt hätten. „Es ist nicht das erste Mal, dass Jäger einen natürlichen Konkurrenten ausschalten“, meint sie. Insgesamt sind laut dem Institut für Zoo- und Wildtierforschung ein Fünftel der bislang bundesweit tot aufgefunden 80 Wölfe durch Kugeln gestorben.

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