Kriminalität : Nachwuchsprobleme im Strafvollzug

Dörte Bravos  ist eine der wenigen Anwärterinnen für den Justizvollzugsdienst.
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Dörte Bravos ist eine der wenigen Anwärterinnen für den Justizvollzugsdienst.

Die Arbeit im Vollzug ist anspruchsvoll – aber auch gefährlich. Junge Interessenten sind rar.

svz.de von
31. Juli 2014, 12:10 Uhr

Freiwillig hinter Gittern: Mit ihrer Ausbildung im Strafvollzug wagen 17 Berufsanfänger im September diesen Schritt. „Auf sie warten anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgaben“, sagte Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov (Linke) am Anfang der Woche in Brandenburg/Havel und warb für die Tätigkeit. Der Strafvollzug brauche den Nachwuchs. Das Durchschnittsalter der derzeit 614 Vollzugsbediensteten im Land liegt laut Ministerium bei 55 Jahren. In den fünf Haftanstalten des Landes sitzen aktuell etwa 1440 Straftäter ein.

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten beklagt Nachwuchsprobleme. „Wir brauchen gut drei Dutzend mehr Köpfe, die voll dienstfähig sind“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Burghard Neumann. Viele Beschäftigte seien wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr für den Schichtdienst geeignet.

Nach jahrelangem Stillstand bildet Brandenburg seit 2010 wieder Nachwuchs für den Vollzug aus. 75 Menschen haben laut Ministerium seitdem die Lehrgänge in Brandenburg/Havel absolviert. Maximal 20 Plätze stehen dort jährlich zur Verfügung – eine Größenordnung, die Markov für ausreichend hält, um Nachwuchs für das altersbedingt ausscheidende Personal zu haben.

Die Gewerkschaft widerspricht. „Nehmen wir unser neues Vollzugsgesetz ernst, das die Resozialisierung in den Mittelpunkt stellt, reicht es nicht“, so Neumann. Um die Ausbildung attraktiver zu machen, sei zudem eine bessere Bezahlung nötig. Etwa 900 Euro netto verdienen Anwärter laut Gewerkschaft. Diese müssen mindestens 21 Jahre alt sein und über einen Realschulabschluss oder eine Berufsausbildung verfügen. Neben ihrer Gesundheit müssen Bewerber auch ihre charakterliche Eignung überprüfen lassen.

Laut Markov hatten sich in diesem Jahr rund 200 Interessierte für die Ausbildung im Vollzug beworben, an deren Ende eine Übernahme als Beamter möglich ist. Nur 19 Bewerber bestanden die Prüfung, zwei von ihnen sprangen kurzfristig ab.

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