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drei Jahre und zehn Monate : Mutter wegen Totschlags verurteilt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Frau hatte ihr Neugeborenes erstochen. Das Gericht erkennt mildernde Umstände.

Nach dem Tod ihres Neugeborenen muss eine junge Frau aus Golzow (Märkisch-Oderland) für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Frankfurt (Oder) verurteilte die 22-Jährige gestern wegen Totschlags im minderschweren Fall.

Die Angeklagte habe zum Zeitpunkt der Tat unter einer besonderen psychischen Belastung gestanden, die zu einer Ausnahmesituation geführt habe, begründete die Strafkammer das vergleichsweise milde Urteil. Es habe sich im Laufe des Prozesses nicht widerlegen lassen, dass die junge Mutter ihre Schwangerschaft verdrängt hat und von der plötzlichen Geburt in der eigenen Wohnung vollkommen überrascht und überwältigt wurde. So hatte die 22-Jährige die Hintergründe der Tat nach ihrer Festnahme in den Vernehmungen durch die Polizei geschildert. Während der Verhandlung hatte sie sich dann auf Erinnerungslücken berufen, den in der Anklage beschriebenen Tathergang aber bestätigt.



Mit einem Messer ins Herz gestochen




Demnach hat sie in der Nacht zum 22. Oktober 2013 heimlich in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Golzow einen Jungen zur Welt gebracht. Unmittelbar nach der Geburt entschloss sie sich, das Neugeborene zu töten. Zunächst hatte die angehende Verkäuferin versucht, das Kind mit einem Handtuch zu ersticken. Weil sie dabei scheiterte, stach sie ihm mit einem Küchenmesser siebenmal in die linke Brust und ins Herz.

„Die Tat unterscheidet sich erheblich von dem, was wir hier im Gerichtssaal sonst bei einem Totschlag erleben“, erklärte der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs. Zudem müsse man berücksichtigen, dass sich die Angeklagte als alleinerziehende Mutter in einer Ausbildung befand und dadurch an die Grenze ihrer Kräfte gestoßen sei. „Sie wollte ihre Lehre beenden, und ihre aktuelle Lebensplanung bestand jedenfalls nicht darin, ein zweites Kind zu bekommen.“

Die Golzowerin sitzt seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Das Landgericht hob nun den Haftbefehl auf. Der Rest der Strafe biete keinen Fluchtanreiz, begründeten die Richter. Wann die Frau ihre Strafe antreten muss, ist unklar.

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