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Anklage lautet auf Totschlag: : Mutter schildert tödliche Schüttelattacke auf Baby

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Als die gelernte Friseurin zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Cottbus den besagten Abend beschreibt, bricht sie immer wieder in Tränen aus.

Der kleine Tim wurde nur sechs Monate alt. Er starb nach Wochen im Krankenhaus, in denen er an Geräte angeschlossen war. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass seine Mutter den Tod verursacht hat. Die heute 32-Jährige soll ihn in ihrer Wohnung in Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) im Dezember 2012 mehrmals geschüttelt haben. Ein schweres Hirntrauma sei die Folge gewesen. Die Anklage lautet auf Totschlag.

Als die gelernte Friseurin am Mittwoch zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Cottbus den besagten Abend beschreibt, bricht sie immer wieder in Tränen aus. Sie und ihr kleiner Sohn seien krank gewesen. Tim habe Probleme gehabt, einzuschlafen und habe immerzu geweint. „Ich war so müde“, sagt die Frau. Dann seien ihr die Sicherungen durchgebrannt. Sie habe sich über das Bettchen ihres Kindes gebeugt, den Säugling genommen und mehrmals geschüttelt. Dabei habe sie die Worte geschrien: „Sei doch ruhig.“ Die Schüttelbewegungen demonstriert die Angeklagte mit ihren Händen.

Der Kopf ihres Kindes sei hin- und hergeflogen. Immer wieder stockt ihre Stimme.

Tage danach kam Tim mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Er habe „komisch geatmet“ und sich übergeben, sagt die 32-Jährige, die heute in Bayern lebt. Ein Arzt habe nach Tagen mit der jungen Mutter gesprochen und erwähnt, dass jemand das Kind geschüttelt haben muss.

Plötzlich sei alles wieder präsent gewesen. Die Angeklagte fasste einen Entschluss: Sie zeigte sich selbst an. Zu ihrer eigenen Mutter habe sie gesagt: „Mutti, ich bin schuld. Ich hab' den Kleinen geschüttelt.“ Der Vater des Kindes, der sich von der Angeklagten bereits vor der Geburt von Tim getrennt hatte, ist Nebenkläger in dem Prozess. Als seine Ex-Freundin den Tag im Krankenhaus beschreibt, an dem der Säugling starb, schießen auch ihm Tränen in die Augen. Beide sitzen sich gegenüber. Beide waren damals gemeinsam in der Klinik. Im Gerichtssaal ist es plötzlich sehr lange still.

Die Mutter der Angeklagten beschreibt ihre Tochter als lieben, warmherzigen Menschen. Das Kind sei geplant gewesen. Alle seien „total happy“ gewesen, als bekannt wurde, dass ihre Tochter schwanger war. Die heute 32-Jährige habe sich immer sehr viel Sorgen um ihren Sohn gemacht. Es ist ihr erstes Kind gewesen. Zu der Schüttel-Attacke sagt die Mutter: „Ich wusste, dass sie das nie im Leben mit Absicht gemacht hat.“ Nach dem Schüttel-Vorfall, den die 51-Jährige immer als „Unglück“ bezeichnet, habe sich ihre Tochter verändert. Sie sei jetzt sehr verschlossen. Die Angeklagte berichtet, dass sie sich nach dem Tod von Tim psychologische Hilfe suchte. „Mit diesem Selbsthass bin ich nicht zurecht gekommen.“ Für den Prozess sind bislang drei Verhandlungstage geplant.

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