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Gericht : Mutmaßlicher Maskenmann wird vermessen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Prozess spielt die Erinnerung der Opfer eine wichtige Rolle.

Es passiert nicht jeden Tag, dass die Verteidigung einen Angeklagten im Gerichtssaal von Kopf bis Fuß vermisst. Um herauszufinden, ob der Angeklagte im Prozess um Anschläge auf zwei reiche Familien der gesuchte „Maskenmann“ ist, griff die Justiz gestern im Landgericht Frankfurt (Oder) zum Zollstock: Etwa 1,85 Meter habe die Untersuchung ergeben, gab der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs an. Eines der Opfer, ein entführter Manager, hatte unmittelbar davor ausgesagt, sein Peiniger sei höchstens 1,75 Meter groß gewesen. Der Mann war im Herbst 2012 von einem maskierten Täter aus seinem Haus in Storkow verschleppt worden. Als mutmaßlicher Entführer sitzt ein 46-Jähriger auf der Anklagebank.

Laut Staatsanwaltschaft wollte er mit der Entführung des Managers im Herbst 2012 eine Million Euro Lösegeld erpressen. Zur Geldübergabe kam es aber nicht, da sich der 53-Jährige nach Stunden auf einer Schilfinsel am Großen Storkower See befreien und fliehen konnte.

Nach monatelanger Suche hatten die Ermittler den Angeklagten im September 2013 festnehmen können. Der Mann bestreitet jedoch, der Täter zu sein. Dieser war immer maskiert.

Der Manager zeigte sich vergangene Woche vor Gericht überzeugt, dass der Angeklagte der „Maskenmann“ ist. Die Stimme des Angeklagten komme ihm „sehr vertraut“ vor, bekräftigte er auch gestern. Er habe den Täter aber nur im Gegenlicht und gebeugt gesehen, sagte der Zeuge zur gemessenen Größe des Mannes. Zudem schilderte er weitere Details seiner Entführung und Flucht. Er habe versucht, eine Art Beziehung zum Täter aufzubauen, sagte er. Dazu habe er dem Täter Dinge aus seinem Leben erzählt. Außerdem habe er ihm seine Armbanduhr und sein Auto angeboten, sagte der Mann. Der Täter sei darauf nicht eingegangen. Seinen Entführer habe er als durchsetzungsstark, zielgerichtet und sehr kontrolliert eingeschätzt. „Es geht nur ums Geld“, habe der Maskierte gesagt. Nur als der Manager noch im Haus eine Flasche auf den Angreifer geworfen hatte, hatte dieser daraufhin in die Decke geschossen.

Der Manager erinnerte sich an viele Details. Hinter einem „künstlicher Geruch“ etwa, den er während der Verschleppung wahrgenommen haben will, vermutet er Salmiakbonbons.

Während seiner Vernehmung wirkte das ehemalige Opfer sehr kontrolliert, fast emotionslos. Nur die Hände zitterten.

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